Anja Wicker

Paralympisches Jugendlager Vancouver 2010

Tainingslager-Vorbereitung Schießtraining

Teilnahme am 1. Paralympischen Winterjugendlager in Vancouver

Von 11.03.-22.03.2010 hat dieses Jahr zum ersten Mal ein Jugendlager der DBSJ parallel zu den Winterparalympics stattgefunden.
Dafür musste man sich letzten Sommer bewerben. Es wurden insgesamt zwölf Teilnehmer ausgesucht. Unter anderem auch ich, worüber ich mich natürlich sehr gefreut habe. Dazu kamen dann noch acht Betreuer.
Besonders darauf gefreut habe ich mich, weil meine Freundin Vivian Hösch, mit der ich gemeinsam Sport mache, auch als Teilnehmerin ausgewählt wurde.

Also trafen wir uns alle am 11.03. am Frankfurter Flughafen, um nach Vancouver zu fliegen. Die Stimmung innerhalb der Gruppe war sofort entspannt, da wir uns alle schon von einem Vortreffen kannten.
Ich war sehr neugierig, was uns in Kanada wohl so erwartet!

Es war geplant, dass wir erst ein paar Tage in Vancouver bleiben, um die Eröffnungsfeier zu besuchen, eine Stadtrundfahrt zu machen und natürlich ein paar Wettkämpfe zu sehen.
Der Flug verlief einigermaßen ruhig. Vom Flughafen zum Hotel konnte ich schon einen ersten Blick auf Vancouver werfen, da wir einmal durch Vancouver Downtown fahren mussten. Die ganze Stadt war mit Lichtern dekoriert und an jeder Straßenlaterne hing das Logo der Paralympics.

Am ersten Tag stand eine kleine Stadtrundfahrt an, wir haben alles wichtige gesehen ( Gas town, China town,…).
Abends war dann eines der absoluten Highlights: die Eröffnungsfeier!
Ich sage nur, Gänsehautfeeling pur. Vor allem beim Einlauf der Nationen und beim Entzünden der Flamme! Die Stimmung im Stadion war atemberaubend.
Am nächsten Morgen waren wir alle noch etwas vom letzten Abend gerädert, allerdings gab es keine Zeit für Müdigkeit, denn hoher Besuch stand an. Frau Zypries und einige andere Persönlichkeiten aus der Politik haben uns im Hotel besucht.
Nach einer kleinen Gesprächsrunde ging es schnell in den Supermarkt, etwas essen, denn unsere nächste Stadtrundfahrt stand bevor.

Da die Absprache zwischen unseren zwei Reiseleitern „super“ funktioniert hat, haben wir dieselbe Rundfahrt, wie am Tag zuvor gemacht. Zu Beginn gab es allerdings doch etwas Abwechslung, da wir einmal um den Stanley Park gefahren sind (wunderschöner Blick auf die Skyline von Vancouver) und die Totempfähle und das Aquarium im Park besichtigt haben.
Abends waren wir dann zum ersten Mal zu Fuß unterwegs, sodass wir etwas Kontakt mit den Menschen aufnehmen konnten. Die Reaktionen waren unglaublich, es wurde gehupt, Autofahrer haben die Fenster runtergekurbelt, um uns zuzurufen, Passanten sind stehen geblieben und wollten Fotos mit uns machen und haben uns auch beschenkt. Ihnen war es auch egal, dass wir praktisch nur Zuschauer waren. Und das haben wir die nächsten Tage nur noch erlebt, ob in Vancouver oder später in Whistler.

Auf den Sonntag habe ich mich schon lange gefreut, denn da ging es zum ersten Wettkampf und zwar Sledge Eishockey. Nachdem unser Busfahrer uns dann auch am richtigen Stadion, nicht wie zuerst am örtlichen Footballstadion, rausgelassen hat, konnte es losgehen. Es war das Spiel Kanada gegen Schweden, das allein versprach schon viel Stimmung. Als dann Kanada noch zehn zu eins gewonnen hat, war die Stimmung in der Halle kurz vorm Explodieren.
Nach dem Spiel ging es direkt mit dem Bus nach Whistler ins Deutsche Haus, zu einem Empfang.
Ich hab mich besonders auf die Leute der Ski Nordisch Mannschaft gefreut, schließlich kennen Vivian und ich alle von unseren Lehrgängen. Wir haben sie erstmal über das Leben im olympische Dorf und sonstige Erlebnisse ausgequetscht. Bis der Goldmedaillengewinner des Tages Martin Braxenthaler schließlich kam. Er wurde von allen Seiten bejubelt.
Da das ZDF ein Studio im Deutschen Haus hatte, gab er dort ein Interview. Weil es besser mit Publikum wirkt, haben wir uns geopfert. War ganz komisch, aber lustig mal ein Fernsehinterview mal aus dieser Perspektive zu sehen.
Da wir als Publikum so gute Stimmung gemacht haben, wurde es zum Ritual uns als Stimmungsmacher dazu zu stellen.

Auf der Rückfahrt waren alle zusammen richtig platt. Ich habe die ganzen zwei Stunden Fahrt nach Vancouver durchgeschlafen.
Montags hatten wir morgens einen ganz besonderen Termin, wir haben eine Highschool in Vancouver besucht.
Zuerst hat uns ein deutschsprachiger Lehrer ein wenig zum kanadischen Schulsystem erzählt. Ich war beeindruckt von den vielen Angeboten der Schule, sie hatten von Sport über Theater bis Töpfern ziemlich alles zu bieten.
Es hatte auch einen Grund, warum wir genau diese Schule besucht haben, denn dort gibt es eine Gruppe von deutschen Austauschschülern, die eine Zeitung zu den Pralympics schreiben. Diese wird in verschiedenen Zeitungen in Deutschland veröffentlicht.

Danach haben wir das ausnahmsweise trockene Wetter genutzt uns sind vom Hotel ein paar Meter bis zum schönsten Strand von Vancouver gelaufen, der English Bay. Dort steht das Wahrzeichen der Indianer und das Logo der Olympischen Spiele: das Inukshuk. Sich vor diesem Steinmännchen fotografieren zu lassen ist ein Muss.
Nachmittags hatten wir Zeit in Kleingruppen die Innenstadt zu erkunden, erstmal wollten meine Gruppe und ich etwas essen gehen, also sind wir in einen Pub gegangen, da man aber in Kanada 19 Jahre alt sein muss, um dort reinzudürfen, wurden wir gleich wieder rausgeschmissen. Also haben wir eine andere Essenmöglichkeit gesucht. Zum Schluss haben wir die Läden von Vancouver unsicher gemacht. Da vergisst man die Zeit schnell, sodass wir gerade noch rechtzeitig am Hotel angekommen sind, um in den Bus zu springen, der uns zum Curling bringen sollte.

Beim Curling hatten wir die perfekten Plätze, in der ersten Reihe genau am Feld, auf dem Deutschland gegen die Schweiz gespielt hat. Wir haben die Deutschen kräftig angefeuert, gebracht hat es aber leider nichts, sie haben verloren.
Am nächsten Morgen hieß es Koffer packen, es ging von unserm Quartier in Vancouver nach Whistler für die restliche Zeit der Spiele.

Nach der Fahrt, kamen wir in unserer neuen Unterkunft an. Es war eine Lodge direkt im Stadtkern von Whistler. Innerhalb von fünf Gehminuten war man an der Medals Plaza und am Olympique Store, der kräftig von uns besucht wurde.
Allerdings hatten wir nicht viel Zeit uns einzurichten, denn das amerikanische Jugendlager hatte uns zu einem Schokofondue ins Hilton Hotel eingeladen.
Schon auf dem Weg ins Hotel haben wir bemerkt, dass die Stimmung hier noch viel extremer zu spüren ist. Überall liefen Athleten von allen Nationen herum und es waren viele Volunteers in ihren blauen Jacken zu sehen. Wir mussten wieder einige Male anhalten, um uns fotografieren zu lassen, vor allem die japanische Mannschaft und die Fans waren begeistert von uns! Und wir von ihnen, denn sie waren geschmückt mit Fahnen, Blinklichtern und sonstigen verrückten Kostümen.

Das Treffen mit den Amerikanern, lief besser als wir uns alle erträumt hätten. Die Gruppen haben sich sofort vermischt und es kamen auch alle ganz leicht ins Gespräch miteinander. Es war interessant zu erfahren, wie die alle so leben, wo sie herkommen und was für einen Sport sie machen. Die ganze Sache ging schon so weit, dass ich mich mit einigen für 2014 verabredet habe, da es ja witzig wäre sich dort wieder zu treffen. Zum Schluss gab es ein heftiges E-Mail Adressen getausche.
Vom Hilton Hotel wurden wir direkt mit dem Shuttle Service des deutschen Teams zum Deutschen Haus gefahren. Dort sollte ein Jugendabend stattfinden, zu diesem haben wir die Amerikaner eingeladen, so war der Trennungsschmerz nicht allzu groß.

Der Abend verlief sehr gut, wir haben ein paar typisch deutsche Lieder zum Besten gegeben und zusammen gegessen. Zwischendurch waren wir mal wieder als Publikum für ein Interview von Braxenthaler gefragt, der an diesem Tag wieder Gold gewonnen hatte. Nach diesen paar Stunden zusammen fiel der Abschied nicht ganz so leicht.

Am Mittwoch war es endlich soweit, der Besuch des ersten Ski Nordisch Wettkampfes stand an. Es war der lange Biathlon aller Klassen, wie üblich bei, starteten die Schlittenfahrer/innen zuerst.
Da wir aber zum Frühstück erst in ein anderes Hotel gehen mussten und alle sehr gut über die Busverbindungen informiert waren, kamen wir schon viel zu spät am Parkplatz des Shuttles zum Olympique Park an. Da man von Whistler noch gut eine Dreiviertelstunde Fahrt vor sich hatte und wir nach Start des Wettkampfes losgefahren sind und dann auch noch unser erster Bus kaputt war, kamen wir genau dann an, als die letzte Schlittenfahrerin in Ziel kam. Das Ganze hat mich schon etwas genervt, denn schließlich wäre dies eine Möglichkeit gewesen, meine Konkurrenz zu beobachten.

Dennoch war es der bisher schönste Wettkampf. Vivian und ich haben uns die Seele aus dem Leib geschrien.
Wir hatten viel zu feiern, denn die deutsche Ski Nordisch Mannschaft gewann an diesem Tag vier Medaillen, davon zwei Goldene.
Abends stand für mich das absolute Highlight der gesamten zwölf Tage an, wir sind zur Medals Ceremony in Whistler gegangen.
Wir standen mit Willi Brems Fanclub ganz vorne. Wir haben richtig Stimmung gemacht, was zu der totalen Heiserkeit der nächsten Tage wohl auch noch beigetragen hat.
Da es von den Alpinen auch noch Medaillen gab, konnten wir insgesamt dreimal die Nationalhymne singen. Jedes Mal lief einem ein kalter Schauer über den Rücken.
Ich war total beeindruckt und von der Siegerehrung in den Bann gezogen.
Zum Abschluss des Abends sind wir in die Spaghetti Factory, um gemütlich zu Essen. Zufällig ging auch Verena an diesem Abend dort ihre Goldmedaille feiern, so konnten wir ihr erstmal gratulieren und noch mal ein bisschen Stimmung für sie machen.

Der nächste Tag war auch etwas besonderes, denn Vivian feierte ihren 19ten Geburtstag. Deshalb gab es zum Frühstück eine ziemlich kalorienreiche Schokotorte und ein kleines Geburtstagsständchen von uns.
Danach ging es wieder in den Olympique Park zum Langlauf Wettkampf. Wir hatten richtig Glück mit dem Wetter, die Sonne schien und es war so warm, dass wir sogar ohne Jacke da sitzen konnten. Überraschenderweise gewann Andrea Eskau an diesem Tag ihre zweite Medaille, Verena überzeugte wieder auf voller Breite und auch die anderen aus dem Team schlugen sich richtig gut.
Nachmittags stand ein weiterer genialer Programmpunkt an, wir durften ins olympische Dorf. Wir wurden von einem Mitarbeiter des DBS durch die verschiedenen Gebäude des Geländes geführt u.a. dem Fitnessraum und dem „Spielzimmer“ mit Billardtischen und Fernsehern.
Am Ende durften wir noch in ein Haus der Athleten aus der deutschen Ski Nordisch Mannschaft. Am Eingang der Häuser hingen die jeweiligen Namen der Besitzer der Häuser und ein kleiner Kommentar von ihnen.

Nach ein wenig Shopping in den Läden Whistlers ging es erneut ins Deutsche Haus.
Dort war ein offizieller Empfang für die Sponsoren, deshalb waren auch die Meisten der Athleten anwesend.
Dies führte zu einem recht amüsanten Abend für Vivian und mich, da wir endlich mal wieder mit unseren Trainingskollegen zusammen sitzen konnten.
Nach dem wir am letzten Abend erst mitten in der Nacht zurückgekommen sind, verschliefen wir natürlich gleich am nächsten Morgen. Deshalb hatten wir noch ganze zehn Minuten, um uns zu richten, bevor Treffpunkt in der Hotel Lobby war.
Nach diesem Stress, schlug ich erstmal richtig beim Frühstück zu. Aber vor allem, weil uns ein langer Tag in Creek Side bevorstand. Wir sind zum ersten Mal zu einem Alpinen Ski Wettkampf, dem Super G.

Ich war erstmal ziemlich geschockt, als ich den Abfahrtshang gesehen habe, es war eine glatte Hauswand!
Wir haben die Wettkämpfe von allen Klassen gesehen, aber am beeindruckendsten fand ich die Monoskifahrer. Sie fahren noch schneller als die Steher.
Die Tribüne war genau in der Sonne, sodass wir die Zeit noch etwas genutzt haben um braun zu werden. Doch wie sich abends rausgestellt hat, waren wir alle eher rot wie Krebse.
Nach den Wettkämpfen war auch gleich die Medaillenvergabe, da die Medals Plaza schon für die Abschlussfeier hergerichtet wurde.
Wir standen bei den anderen Deutschen Fans und haben die Gewinner, vor allem die Deutschen, bejubelt.

Dann ging es wieder zurück nach Whistler, diesmal haben wir nicht, wie am Morgen, den Bus verpasst und waren am frühen Nachmittag wieder im Hotel.
Das waren die ersten paar Stunden Ruhe seit langem. Wir haben das kanadische Fernsehen und kanadische Chips getestet.

Am nächsten Morgen ging es wieder nach Creek Side, dieses Mal zur Super Kombination. Erst waren die Abfahrtsdurchgänge und dann nach einer Stunde Pause der Slalom Durchgang. Es war wieder schön sonnig und warm, sodass wir die Zeit gut zum Energie auftanken nutzen konnten.
In der Pause wurde noch das Sledge Hockey Finale auf einer Leinwand übertragen. Die amerikanischen Fans, haben gefeiert, während die Kanadier eher etwas leise waren, da ihre Mannschaft schon früh ausgeschieden war.
Bei den Alpinen, waren die Deutschen an diesem Tag auch wieder erfolgreich, allerdings konnten wir nicht bis zu Siegerehrung bleiben, da wir zurück ins Hotel mussten. Denn der Abschlussabend im Deutschen Haus stand an. Und da wir immer vor den Sportlern mit den Shuttles abgeholt wurden, ging mal wieder richtig der Stress los.

Im Deutschen Haus haben wir dann zu Abend gegessen und den ganzen Reden der Sponsoren und der Offiziellen gelauscht.
Am nächsten Morgen haben Vivian und ich einen kleinen Soloausflug gemacht.
Denn am letzten Tag, war noch einmal ein Wettkampf im Olympic Park, der Langlauf Sprint. Da wir selber Langläufer sind und die ganze Deutsche Mannschaft zum Abschluss gestartet ist, wollten wir uns das auf keinen Fall entgehen lassen.
Deshalb haben wir die Tortur auf uns genommen um kurz vor sechs Uhr aufzustehen, im Dunkeln und bei Regen durch Whistler zu laufen um frühstücken zu gehen und schließlich rechtzeitig am Busparkplatz anzukommen.
Wir waren die Ersten auf der Tribüne im Langlaufstadion, es hat geschüttet wie aus Eimern. Aber ein Volunteer hatte Mitleid und hat uns ein Regencape geschenkt.
Den kompletten Wettkampf hat es durchgeregnet und es war richtig kalt. Aber es hat sich definitiv gelohnt, denn es gab wieder eine Goldmedaille und auch alle anderen haben sich richtig gut präsentiert.

Völlig verfroren kamen wir im Hotel an, haben als Erstes ein heißes Bad genommen und haben uns dann wieder unserer Gruppe angeschlossen.
Da es der letzte Abend war, haben wir beschlossen im Gemeinschaftszimmer selbst zu kochen. Während wir uns den Bauch voll geschlagen haben, lief die Abschlussfeier im Fernsehen. Nachdem wir fertig waren, war auch die Feier fertig, wir sind aber trotzdem noch Richtung Medals Plaza gelaufen. Auf dem Weg sind uns alle möglichen Mannschaften und Fans über den Weg gelaufen, was mal wieder zu einem unendlichen Fotomarathon geführt hat.
Vor unserem Hotel, war noch ein wenig Live Musik. Da wir so schön in Feierlaune waren, haben wir erstmal den Platz eingeheizt und eine Polonäse gestartet. Unser Fieber hat allen anderen auch angesteckt und so war zum Schluss eine tolle Stimmung vor und auf der Bühne.
Um zehn war dann Schluss, was auch gut war, denn die Koffer haben sich auch nicht von selber gepackt.
Allerdings war das die nächste Herausforderung den Koffer zuzubekommen.
Bis zum nächsten Morgen hatten dies aber doch alle geschafft. Es ging ein letztes Mal durch Whistler. Mittags holte uns ein Bus ab, um uns zurück nach Vancouver zu bringen.

Auf der Rückfahrt hatten wir super Wetter, sodass wir endlich mal den Blick auf den Fjord genießen konnten.
Am Flughafen angekommen, wurde mir erst klar, dass die Heimreise bevorstand.

Ich werde diese 12 Tage in meinem ganzen Leben nicht mehr vergessen und dieses Gefühl von Einheit und Zugehörigkeit zu etwas besonderem.
Diese ganzen Erlebnisse haben mich noch mehr motiviert, das Nächste Mal als Athlet dabei sein zu wollen!!!

 

Paralympisches Feuer

Sledge Hockey

Langlaufstadion in Whistler

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