Anja Wicker

Aktuelles

Stuttgart-Lauf am 25.06.2017 und Trainingsalltag

Vergangenen Sonntag bin ich, wie fast alle Jahre wieder, den Stuttgart-Lauf mit dem Handbike mitgefahren. Eine Veranstaltung, die ich mir als Stuttgarterin natürlich nur schwer entgehen lassen kann. Die Woche davor, war ich in Freiburg zum ersten Ski Nordisch Nationalmannschaftslehrgang der neuen Saison. Es standen einige Leistungstests an, aber auch schöne Ausflüge mit unseren Cross Rollern. Unter anderem haben wir die Gegend rund um den Rinken erkundschaftet (Foto mit Martin Fleig). Das ist das tolle an diesen „Offroad“ Rollern. Wir Schlittenfahrer haben endlich die Möglichkeit uns ein wenig in die Natur stürzen zu können. Anstelle von endlosen Asphalteinheiten. Zusätzlich hieß es schwitzen auf dem Laufband…die Strecken für PyeongChang sind programmiert, d.h. wir können diese eins zu eins auf dem Laufband nachlaufen.

Für den Lehrgang haben wir uns allerdings die richtige Woche ausgesucht, mit Temperaturen von bis zu 36°C. Da waren die Wasserquellen auf dem Rinken sehr willkommen.

Die paar Tage haben ganz ordentlich geschlaucht, daher war mein Ziel für den Stuttgart Lauf eher ankommen ist alles ��. Wie so üblich bin ich die 21 Kilometer alleine gefahren, irgendwie fahre ich wohl ein Tempo das sonst keinem passt….

Nach etwas über 53 Minuten und als Dritte Frau, war ich im Ziel, keine spitzen Zeit, Spaß gemacht hat es trotzdem. Ein kleiner Ausbruch aus dem Trainingsalltag. Dieser enthält momentan viiiiiiiel Krafttraining und laaaaaange Roller oder Bike Einheiten. Macht alles super viel Laune, Abwechslung tut dennoch gut.

Die nächsten paar Wochen geht das Programm genauso weiter. Anfang August habe ich den nächsten Lehrgang, davor werde ich mich dennoch mal in Freiburg für ein paar Trainingseinheiten auf dem Laufband einfinden.

Einen kurzen Ausflug habe ich zur Tour Ginkgo gemacht, die am 29.06. einen Etappenstopp in Stammheim eingelegt hat. Zusammen mit Marathonläufer Arne Gabius, Bezirksvorsteherin Susanne Korge und vielen Schülern habe ich die etwa 130 Radfahrer, die für eine guten Zweck unterwegs sind, an der Schule in Stammheim empfangen (meine Grundschule). Die Schüler hatten ein tolles Programm auf die Beine gestellt und jede Menge Geld für's Olgäle gesammelt. Zuvor war ich beim TV Stammheim zur Eröffnung des neuen Faustball-Stadions eingeladen. Dort habe ich mit dem Handbike eine Laufgruppe begleitet und anschließend die Auftaktpartie Stammheim I gegen Stammheim II der 2. Bundesliga angeschaut. Zuvor gab es aber auch noch etwas leckeres zu Essen!!! (Bilder zu dazu habe ich neu eingestellt)

 

Siegerehrung Biathlon-Sprint

06.03.-23.03.2017 Weltcup PyeongChang/Weltcupfinale Japan

Nach der WM ist vor den Pre-Paralympics. Gut zwei Wochen nach dem Ende der Weltmeisterschaft in Finsterau ging es für uns Richtung Asien. Der Weltcup in PyeongChang stand an. Gleichzeitig war dies ein Testevent für die nächstjährigen Winterspiele.

Ich war natürlich sehr gespannt, wie die Strecken dort aussehen, aber auch auf Land und Leute, da ich zuvor noch nie in Asien war.

Wir sind von Frankfurt nach Seoul geflogen und von dort mit dem Mietwagen noch drei Stunden an unseren Wettkampfort. Beim Landeanflug sahen wir schon, dass kein Schnee liegt, hofften aber, dass sich das bis PyeongChang noch ändert – Fehlanzeige!

Bei der kurzen Fahrt vom Hotel zur Strecke waren wir daher noch gespannter was uns erwartet. Wir kamen über die Bergkuppe und sahen unter uns viele weiße Bänder. Daneben Sandbunker und viel Grünfläche, da sich Langlauf- und Biathlonstadion auf einem Golfplatz befinden.

Die Bedingungen auf der Loipe waren zwar weich, allerdings war das nichts im Vergleich zu den Bedingungen der nächsten Tage.

Die Strecken für nächstes Jahr sind sehr anspruchsvoll. Es fühlt sich ein bisschen an wie eine Achterbahnfahrt, es geht hoch und runter. Dazu ist es sehr kurvenreich.

Als erster Wettkampf stand der Biathlonsprint an, ich war hoch motiviert, da es ja schließlich bei mir um den Gewinn des Gesamtweltcups ging. Die Schneebedingungen waren die Besten, die wir in den Tagen in Korea haben sollten. Es war einigermaßen schnell, zwar nicht optimal gespurt, aber machbar. Am Schießstand blieb ich fehlerfrei und konnte das Rennen gewinnen. Ein weiterer Schritt Richtung Kristallkugel war gemacht.

Direkt am nächsten Tag war die Langlauf Langdistanz an der Reihe. Der Schnee war tief und weich, es hatte bestimmt an die 8°C Lufttemperatur dazu strahlend blauer Himmel. Für den Teint super, fürs Langlaufen eher weniger.

Habe mich eher schwergetan, trotzdem wollte ich auch diesen Wettkampf unbedingt bestreiten.

Danach war erstmal Ruhetag angesagt. Wir nutzen die Zeit, um uns etwas im Ort umzuschauen. Es ist ein Wintersport Ort, so etwas wie das St. Moritz von Korea. Viele Hotels und Restaurants. Man fällt aus dem Hotel und steht am Fuße der Alpinhänge. Die Rodelbahn gleich um die Ecke, die Skisprungschanze immer im Blick - egal wo man sich befindet.

Man konnte es wirklich gut aushalten, zumal wir zehn Tage lang ein super Wetter hatten und alle beim Abendessen mit gut gefärbten Gesichtern unterwegs waren.

Essen gab es im Convention Center gegenüber des Hotels. Alle Nationen haben zusammen gegessen, was immer toll ist, um mit den anderen Athleten und Betreuern zu quatschen. Das Buffet war sehr abwechslungsreich, habe mich sehr gefreut, verschiedene Dinge der Asiatischen Küche probieren zu können - von Dim Sum über Frühlingsrollen und Glasnudelsalat.

Weiter ging es mit dem Langlaufsprint. Für uns Schlittenfahrer beträgt die übliche Distanz 800m, hier allerdings waren es 1,2 Kilometer. Ich konnte mich für das Finale qualifizieren, obwohl die Verhältnisse wirklich grausig waren. Im Halbfinale spritzte mir das Wasser der Pfützen bis ins Gesicht.

Am Tag darauf fand der Lange Biathlon statt. Der Wettkampf indem ich gut drei Wochen zuvor Weltmeisterin geworden bin. Mit entsprechender Vorfreude ging ich ins Rennen. Wieder traf ich alle Scheiben. Läuferisch konnte ich aber mit der Amerikanerin Oksana Masters einfach nicht mithalten. Wenn sie einigermaßen gut schießt, hat keiner eine Chance hinter ihr herzukommen.

Mit Platz zwei war ich aber dennoch mehr als zufrieden. Denn nun war mir meine zweite Kugel im Gesamtweltcup kaum mehr zu nehmen. Nur für die zweitplatzierte Weißrussin Lidzyia Hraveyeva gab es noch rechnerisch eine Chance.

Nachmittags ging es mit Andrea Eskau, Martin Fleig und unserem Bundestrainer ins Deutsche Haus für die kommenden Paralympics.

Dieses liegt wunderschön auf dem höchsten Punkt eines weiteren Golfplatzes ganz in der Nähe des olympischen/paralympischen Dorfes. Das zum Glück auch gleich neben unseren Strecken gelegen ist.

Es muss noch einiges getan werden, die Ideen die uns präsentiert wurden sind jedoch vielversprechend. Ich hoffe ich kann das Endergebnis im kommenden Jahr mit eigenen Augen bewundern.

Der letzte Wettkampf in Korea war die Langlauf Mitteldistanz, sprich fünf Kilometer. Es war wieder sehr warm, der Schnee, den man zu diesem Zeitpunkt eigentlich gar nicht mehr als Schnee bezeichnen konnte, es war mehr eine Sand, Salz, Wasser-in komischer-Konsistenz-Mischung, war sehr tief.

Ich habe versucht mir die Strecke noch mal gut einzuprägen, das Gefühl in Südkorea zu laufen, einzusaugen und mir so viel Motivation wie möglich für das kommende Trainingsjahr und meinen Weg zu den nächsten Paralympics mitzunehmen.

Abends ging es ans Kofferpacken. Der Abschied aus unseren riesigen Hotelzimmern viel uns schon schwer.

Zu schwer dann doch nicht, schließlich ging es nicht nach Hause, sondern für einen kleineren Teil der Mannschaft weiter nach Sapporo,Japan! Außerdem arbeite ich das kommende Jahr hart daran, im nächsten März wieder nach Korea fliegen zu dürfen.

In Sapporo angekommen waren wir alle erstmal super begeistert über die Lage unseres Hotels – mitten in der Stadt! In Korea stand definitiv noch das sportliche Vergnügen im Fokus. In Japan konnte man die Wettkämpfe und Sightseeing wunderbar verbinden.

Da meine Weißrussische Mitstreiterin um den Gesamtweltcup nicht in Japan am Start war, hatte ich meine Kristallkugel sicher gewonnen….unfassbar! Außerdem hatte ich dadurch noch die Chance auf den dritten Platz im Langlauf Gesamtweltcup.

Dies waren auch die ersten beiden, von vier, Rennen. Zu Beginn galt es die 2,5 Kilometer Runde zweimal zu absolvieren. Eine schöne Überraschung war, dass in Japan tatsächlich noch Winter herrschte. Sogar in der Stadt lag noch Schnee. Zwar hatten wir auch gutes Wetter und es wurde recht warm mittags, aber zumindest war es optisch etwas ansprechender.

Gegen Oksana und Andrea Eskau kann ich im Langlauf nichts aussetzen, schaffte es aber auf Platz drei.

Nach dem Rennen hieß es 40 Minuten mit dem Bus wieder zurück ins Hotel fahren. Leider war das Zimmer nur ungefähr ein Drittel von unseren Zimmern in Korea. Daher fiel es uns nicht schwer die Nachmittage mit Erkundungstouren durch die Innenstadt zu verbringen.

Wenn man schon mal in den USA war, kommt einem vieles bekannt vor, doch irgendwie ist es doch noch mal etwas schriller und bunter. Zwischen modernen Hochhäusern finden sich immer wieder ältere klassisch japanische Gebäude. Viele kleinere Restaurants und Läden. Es gibt viel zu erkunden. Eines der Highlights war das Riesenrad auf dem siebten Stock eines Hauses. Wir sind bei Nacht damit gefahren, haben über ganz Sapporo gesehen, bis hin zu den Skisprungschanzen.

Unser Hotel war nicht nur von der Lage topp, sondern auch vom Essen. Noch mal besser als in Südkorea. Es gab ein großes Buffet mit vielen Kochstationen wo die Gerichte frisch zubereitet werden. In Japan obligatorisch, die Sushi-Station…richtig lecker und wurde jeden Abend von allen reichlich ausgenutzt.

Nun aber wieder zum sportlichen zurück. Der zweite Wettkampf war die Langlauf Kurzstrecke, einmal 2,5 Kilometer und ins Ziel. Wieder wurde ich Dritte. Damit stand ich im Gesamtweltcup mit knappen drei Punkten Vorsprung auf Platz drei. Das war die Belohnung dafür, dass ich jeden einzelnen Wettkampf der Saison mitgelaufen bin.

Anschließend standen noch zwei Biathlonrennen an. Erst die Mittelstrecke mit viermal Schießen und Strafrunden. Leider musste ich diese gleich dreimal besuchen. War nicht so ganz mein Tag, als ob ich den Platz abonniert hätte, wurde ich wieder Dritte.

Übrigens wurde wegen uns kurzerhand noch das Gesetz in Japan geändert, da eigentlich keine Waffen in das Land eingeführt werden dürfen. Wir hatten Waffenschränke auf unseren Hotelzimmern, im Gang stand rund um die Uhr ein Wachmann und wir mussten immer bei unseren Waffen sein…kein andere durfte diese berühren, außer am Schießstand.

Der letzte Wettkampf der Saison 16/17 war der Biathlonsprint und DREIMAL (kleiner Hinweis) dürft ihr raten, welcher Platz es wurde…genau der Vierte…kleiner Scherz. Natürlich der Dritte. Mit einem Schießfehler - ein Ergebnis mit dem ich die Saison gut abschließen konnte.

Eine Saison in der ich meine Ziele und Träume weit übertroffen habe. Ich glaube das dauert seine Zeit bis ich verarbeitet habe, was ich alles erreicht habe.

Am allerwichtigsten ist aber, dass meine Gesamtweltcupkugel die lange Heimreise unbeschadet überstanden hat �� !!!

Nun heißt es erstmal entspannen und zur Ruhe kommen. Am 01. Mai beginnt die neue Trainingsaison. Bis dahin bin ich Hobbysportlerin, die sich ab und zu bewegt, aber nicht trainiert.

Danke an alle für die Unterstützung und das Daumendrücken die ganze Saison über. Das freut mich sehr und motiviert mich nur noch mehr!!

 

Heim-Weltmeisterschaft Finsterau 10.02.-19.02.17

Super toll, erfolgreich und sehr speziell – so lassen sich die zehn Tage Heim-WM in Finsterau wohl am besten beschreiben.

Seit über einem Jahr habe ich dieser Veranstaltung entgegengefiebert und hart dafür gearbeitet, um in guter Form am Start zu stehen (sitzen).

Es hat sich definitv gelohnt! Mein Ziel war es, mit einer Medaille nach Hause zu kommen. Nun bin ich als WELTMEISTERIN zurückgekehrt. Unfassbar!!

Und nicht nur das, zwei Silbermedaillen habe ich auch noch im Gepäck.

Ganz besonders war es natürlich, weil ich die Erfolge mit meinen Eltern, aber auch mit vielen weiteren Freunden und Bekannten vor Ort feiern konnte.

Da war die Aufregung vor dem ersten Start doch etwas größer, denn mit so viel Unterstützung, will man es extra gut machen.

Los ging es mit der Biathlon Mitteldistanz, mit zwei Fehlern bei viermal Schießen, musste ich auf den fünf Laufrunden ordentlich Gas geben. Glücklicherweise hat es funktioniert und ich hatte meine erste Silbermedaille. Fast genauso wie über die Medaillen haben sich alle Gewinner über das Maskottchen Filu (ein Luchs), das es bei der Flower Ceremony direkt nach dem Rennen gab, gefreut.

Damit mein Filu nicht so allein war musste Gesellschaft für ihn her. Allerdings nicht beim nächsten Rennen. Das war der Langlaufsprint, mit dem ich aber mehr als zufrieden war, da ich es bis ins Finale geschafft habe und am Ende sechste wurde.

Dann kam der lange Biathlon, der mir sehr liegt, weil er schießlastig ist. Mit einem Fehler, also einer Strafminute, aber Laufbestzeit, gewann ich den Wettkampf mit einem deutlichen Vorsprung. Gold bei einer Heim WM das ist besonders speziell.

Anschließend ging es an den langen Langlauf, der mir sehr schwer viel, weil die letzten Rennen ihre Spuren hinterlassen hatten und die Bedingungen sehr weich waren. Durchgekämpft habe ich mich dennoch, war ja schließlich WM.

Nach einem Ruhetag stand der Biathlon Sprint an. Ich wollte nochmal meine letzten Körner zusammenkratzen und eine gute Leistung zeigen.

Mit einer Strafrunde und einer guten Leistung auf den drei Laufrunden wurde ich zum zweiten Mal bei dieser Veranstaltung Vizeweltmeisterin hinter der sehr starken Amerikanerin Oksana Masters.

Drei Biathlonrennen – drei Medaillen, ein Traum!

Den abschließenden Langlaufwettkampf über die fünf Kilometer habe ich als Abschluss mitgenommen. Wie schon in den vergangenen Jahren, kann ich mit dieser Distanz einfach nichts anfangen ;)!

Daher habe ich auch den kommenden Sommer noch genug zu tun, um meine Laufform weiter zu steigern und meinen Rückstand im Langlauf etwas zum Schmelzen zu bringen J, für den Biathlon ist das denke ich auch ganz hilfreich…

Abschließend bleibt nur zu sagen, dass ich super happy mit den Ergebnissen bin und ich diese Weltmeisterschaft mit ihren vielen tollen Momenten niemals vergessen werde!

Zumal diese WM die am besten organisierte meiner bisherigen Karriere war. Sehr professionell, trotzdem mit viel sichtbarem Herzblut. Respekt an die Veranstalter des SV Finsterau. Tolle Leute, die das gesamte letzte Jahr alles für einen perfekten Ablauf der Veranstaltung getan haben. Das wurde auch in Berichterstattung durch ARD und ZDF sichtbar, die an jedem Wettkampftag tolle Beiträge zur besten Sendezeit lieferten.

Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es am 06. März nach Pyeongchang, Südkorea, um die Strecken für die Paralympics im nächsten Jahr zu erkunden und dann direkt zum Weltcupfinale in Sapporo, Japan!

Das wird bestimmt spannend!!!

 

Weltcup Ukraine 11.01.-20.01.17

Nach einigen gescheiterten Versuchen in den letzten Jahren, fand nun zum ersten Mal ein Weltcup in der Ukraine statt. Genauer gesagt im Western Center ungefähr 140km entfernt von Lviv (dem früheren Lemberg). Es war schön mal wieder ein neues Land und neue Strecken kennenzulernen.

Angereist sind wir mit dem Flieger von Frankfurt über Warschau nach Lviv. Von dort ging es noch über zwei Stunden mit dem Bus ins Western Center. Leider war es schon dunkel, sodass uns ein Blick auf die Umgebung erstmal verwahrt blieb. Alles was wir spüren konnten waren die Schlaglöcher in den Straßen. Auf der Heimreise hatten wir dann aber die Möglichkeit vom Bus aus etwas von der Landschaft und den Orten auf dem Weg nach Lviv zu sehen. Man kommt sich ein wenig wie in der Zeitmaschine vor. Es macht so den Eindruck der 50er Jahre. Die Autos, die Häuser, Kleidung, immer wieder Pferdekutschen, die als Traktor oder LKW fungieren,…

Am nächsten Morgen hieß es dann erstmal Unterkunft und Strecken erkunden. Das Hotel liegt direkt am Stadion, was natürlich super angenehm ist. An Schnee hat es auch nicht gemangelt. Er war schon reichlich vorhanden als wir ankamen und die ersten Tage kam nochmal einiges dazu. Das Wetter hätte uns ruhig etwas freundlicher empfangen können…es stürmte und peitschte uns den Schnee nur so um die Ohren. Daher war es auch schwer die Strecken in dem Schneetreiben zu finden, aber vielleicht wollte ich sie am Anfang auch gar nicht finden ;). Der Kurs war doch recht anspruchsvoll, da ein paar kernige Anstiege inklusive Steilwandkurven enthalten waren.

Der erste Wettkampf stand am Freitag den 13. Auf dem Programm. Passend zum Datum war auch das Wetter ;). Bei so miserablen Bedingungen bin ich noch nie gestartet und brauche es auch nicht unbedingt nochmal. Das eine Mal war zwar irgendwie ganz lustig, aber auch nur weil es ein Rennen über nur 2,5km war. Die Strecke war vom Tiefschnee nicht zu unterscheiden du ohne Brille wäre man glaube ich nicht ins Ziel gekommen…

Ich dachte mir nur, mach das Beste draus und lauf einfach, gesagt getan, Platz vier am Ende. Damit war ich zufrieden.

Danach war eigentlich für den Samstag die Langlauf Langdistanz vorgesehen, aufgrund von angekündigtem starken Schneefall, wurde diese dann auf Sonntag verschoben. Weise Entscheidung: sonntags war ein perfekter Wintertag, blauer Himmel, Sonne und kaum Wind! Dazu war es noch ein fast perfekter Tag aus sportlicher Sicht, vom Start weg fühlte ich mich spitzenmäßig. Ich konnte von Runde zu Runde zulegen. Ein Rennen wie man es leider viel zu selten erlebt. Und im Ziel wurde ich mit Platz Zwei belohnt. Das habe ich in der Langdistanz noch nie geschafft. Einzig meine Teamkollegin Andrea Eskau war schneller. Ein tolles Resultat und eine Bestätigung das meine Laufform so langsam kommt.

Aufgrund der Rennverschiebung hatten wir nun einen Block mit drei Wettkämpfen am Stück…puuh.

Der Zweite Wettkampf in diesem Abschnitt war der Langlauf Sprint. In dem ich meine aufsteigenden Laufform bestätigen konnte und Prolog, Halbfinale und Finale erreicht habe. Im Finale habe ich bis zum Schluss um das Podium gekämpft und bin knapp hinter der Norwegerin Birgit Skarstein als vierte ins Ziel gekommen.

Dann ging es endlich mit dem Biathlon los. Die Biathlon Langdistanz über 12,5km war als erstes an der Reihe. Hier werden Schießfehler mit Strafminuten und nicht mit Strafrunden bestraft. Leider bekam ich das richtig zu spüren, da ich im ersten Schießen viermal danebengeschossen habe. So etwas ist mir im Wettkampf in einem Schießen noch nicht passiert. Ich lag wohl falsch und habe es dummerweise nicht gemerkt und nicht versucht zu korrigieren. Das ist natürlich ein denkbar ungünstiger Start in ein Rennen. Trotzdem habe ich weitergekämpft und die anderen drei Schießeinlagen fehlerfrei über die Bühne gebracht. Läuferisch war es auch wieder richtig gut. Ich habe Platz zwei nur um 10 Sekunden verpasst und das obwohl die Weißrussin Lidziya Hrafeyeva zwei Fehler weniger hatte als ich.

Die freie Zeit nach den Rennen und am freien Tag verbrachte ich meistens im Gemeinschaftsraum beim Biathlon schauen mit den anderen Nationen. Das ist das tolle, wenn alle in der gleichen Unterkunft sind. Man kann sich unterhalten, austauschen, auch mal fern der Langlaufstrecke. Das einzige was etwas mangelhaft war, war die Verpflegung. Diese wurde zwar entspannter Weise als Menü immer am Tisch serviert, nur gab es mindesten einmal am Tag Chicken und dieses war dann meist kalt, genau wie alles andere auch. Dieser Mangel wurde aber mit einer super Organisation der Veranstaltung ausgeglichen. Die Rennen wurden alle Live im ukrainischen Fernsehen übertragen und im Internet im Livestream.

Nach einem Ruhetag stand der Biahlon Sprint an. Diesmal mit Strafrunde, die ich blöderweise nach dem zweiten Schießen besuchen musste und das gleich zweimal. Es reichte dennoch für Platz zwei hinter Lidziya.

Für den letzten Wettkampf des Weltcups in der Ukraine, war mir besonders wichtig, dass ich endlich wieder ein gutes Schießergebnis hinbekomme. Es galt 10km zu laufen mit viermal Schießen. Da ich am Vortag mit schwindenden Kräften zu tun hatte, wollte ich läuferisch einfach nur durchkommen. Aber es ging dann doch besser als gedacht. Meine vier Serien am Stand absolvierte ich fehlerfrei (juhu) und kam damit am Schluss auf Platz zwei hinter Andrea.

Eine tolle Weltcupwoche in der die Ergebnisse eigentlich eher zweitrangig sind, es war mir wichtig Wettkampfkilometer und Schneekilometer zu sammeln und mir die Bestätigung zu holen, dass meine Laufform besser wird.

All das ist mir gelungen, so dass ich jetzt die letzte Phase der WM Vorbereitung beginnen kann, Erst daheim und dann geht es noch ein paar Tage nach Freiburg an den Notschrei um mir den Feinschliff auf Schnee zu holen.

 

Weltcup Ukraine

Der zweite Weltcup der Saison startet am 13.01.2017 in der Ukraine. Beim heutigen Training waren Schnee, Wind und Kälte sehr präsent, wie man auf dem Bild sieht. Morgen soll es nicht besser werden, so dass ich eigentlich ganz froh bin, dass nur die Kurzstrecke auf dem Programm steht. Die 2,5 Kilometer werde ich überstehen. Ergebnisse gibt es wie immer auf der Seite des IPC. Also, drückt mir wieder die Daumen. In Finnland hat das ja gut geklappt.

 

v.l.: Masters, Wicker, Hrafeyeva

Weltcup Vuokatti/Finnland 09.12. - 16.12.2016

Die neue Saison hat für mich im finnischen Vuokatti im Biathlon gut begonnen. Ein Weltcupsieg im 12,5 km Biathlon, ein zweiter Platz über 6 km und dabei alle Scheiben getroffen liest sich gut. Das Schießen war wie immer bei mir die Grundlage dafür, Nachteile in der Loipe zu kompensieren. Beim Langlauf merkt man dann sofort, dass andere Nationen deutlich mehr Schneekilometer in den Beinen bzw. in den Armen haben. Ein sechster und zwei siebte Plätze im Langlauf Sprint und über die Kurz- und Langstrecke zeigen deutlich, dass hier noch Luft nach oben ist. Wir haben aber bereits während des Weltcups, bei dem zudem noch eine Biathlon-Staffel als Testwettkampf ausgetragen wurde, fleißig Schneekilometer auch außerhalb der Wettbewerbe gesammelt. Das waren also intensive Tage, von denen ich mich jetzt kurz erhole, um dann in Richtung Deutsche Meisterschaften und Weltcup in der Ukraine Mitte Januar 2017 im Training nochmal richtig Gas zu geben und vor allem die Geschwindigkeit in den Einheiten zu erhöhen.


 

Weltcupfinale Vuokatti 15.03.-20.03.16

Die Saison 2015/16 ist offiziell beendet.
Ich musste feststellen, dass Skandinavien im März wirklich wunderschön ist. Schon letztes Jahr zum Weltcupfinale in Surnadal Norwegen hatten wir super Wetter. In Vuokatti war es wieder genauso. Im Gegensatz zu unseren Aufenthalten im Dezember ist es im März lange hell, deutlich wärmer und die Sonne zeigt sich tatsächlich mehrere Stunden am Tag.
Da ich mittlerweile schon zum fünften Mal in Vuokatti war, habe ich mich schnell wieder wohlgefühlt. Außerdem war ich genau im gleichen Appartement untergebracht wie bei unserem letzten Aufenthalt.
Eine Änderung gab es dann auch noch streckentechnisch, da wir einen neuen Kurs bekommen haben. Dieser ist viel attraktiver zu laufen, es geht mitten durch die finnischen Wälder, aber ist auch anspruchsvoller geworden.
Der erste Wettkampf war der Biathlonsprint. Die Runde lag mir ganz gut, läuferisch ging es wunderbar. Am Schießstand leistete ich mir leider einen Fehler, was normalerweise heißt, das ich nicht mehr um die vorderen Plätze mitlaufe. Dieses Mal aber kämpfte ich mich mit einer starken Schlussrunde auf den dritten Platz.
Nur zwei Russinnen waren noch schneller.
Am darauf folgenden Tag fand der lange Biathlon statt. Schon beim Aufstehen habe ich mich sehr müde gefühlt, was sich mit dem Startschuss dann auch bestätigt hat. Am liebsten hätte ich schon nach den ersten Metern gleich wieder aufgehört. Natürlich habe ich mich aber durchgekämpft, mit einem Fehler bei vier Einlagen, war ich auch sehr zufrieden, läuferisch war allerdings gar nichts drin. Am Ende wurde ich vierte und verlor leider meinen dritten Platz in der Gesamtweltcupwertung. Gleichzeitig war das das letzte Biathlonrennen der Saison, das habe ich mir anders vorgestellt, aber so Tage gibt es eben.
Am nächsten Tag ging es mit dem Langlauf Sprint weiter. Ich fühlte mich noch immer müde, auf der Strecke während des Prologs war die Müdigkeit aber wie weggeblasen. So wurde ich dritte und bin ins Finale gekommen, da wir nur acht Starter waren, gab es kein Halbfinale. Die Warterei habe ich als Zuschauerin der anderen Rennen überbrückt. Ich habe etwas über zehn Sekunden vor der nächsten Starterin im Finale Vorsprung bekommen, der Rest der Meute kam dann nach 15 Sekunden hinterher gejagt. Da es an diesem Tag schöne eisige Strecken waren, bin ich gut zurecht gekommen und bis kurz vor der Zielgeraden in der Führungsposition gewesen, dann kam Oksana Masters vorbei, die am Ende gewann, ihr folgte aber nur noch Maria Iovleva. Im Zielsprint habe ich tatsächlich den dritten Platz verteidigt.
Unglaublich, ein Langlaufsprint der richtig Spaß gemacht hat.
Nach einem Ruhetag stand ein besonderer Wettkampf an. Im Rahmen des Vuokatti Hiihto Volkslaufes haben wir unsere Langlauf Langdistanz ausgetragen, die bei uns Schlittenfahrern deshalb 20 Kilometer betrug. Diesen Spaß wollte ich mir nicht entgehen lassen, auch wenn ich keine Chance hatte um einen guten Platz mitzukämpfen. Da ich wusste, dass ich die meiste Zeit allein unterwegs bin, habe ich einen „Guide“ in Form von unserem Aushilfsbiathlontrainer Florian Grimm bekommen.
Die Strecke war toll, es ging erst durch den Wald, dann über einen zugefroren See, zum Schluss wieder durch den Wald – herrlich!
Das letzte Rennen der Saison war die Langlaufmitteldistanz über fünf Kilometer.
Ich hatte die Gelegenheit zu sehen, dass ich im Laufbereich doch noch einiges zu tun habe, um auch hier mal ein Wörtchen mitzureden. Man braucht ja immer Herausforderungen und Ziele für das viele und harte Training den Sommer über ;).
Für jetzt heißt es erstmal PAUSE. Nur noch Hobbysportler sein und in den Urlaub fliegen. Im Mai geht dann die Vorbereitung auf die neue Saison los. Mit dem Highlight der Heim WM in Finsterau.


 

Weltcup Finsterau 22.02.-28.02.16

Schwups, nun ist er auch schon wieder vorbei der Heimweltcup in Finsterau im bayerischen Wald!
Die Wettkämpfe dauerten zwar „nur“ eine Woche, aber in dieser Zeit haben wir so viel erlebt wie in einem ganzen Winter.
Die Eröffnungsfeier am Samstag den 20.02. fand bei starkem Schneefall statt. Alle freuten sich, da es so schien, als ob der Winter zurück wäre.
Weit gefehlt….
Sonntags war so ungefähr das schlimmste Wetter, das ich jemals erlebt habe. Strömender Regen, der ganze Neuschnee – weg. Dazu kamen orkanartige Sturmböen.
So fiel das letzte Biathlontraining vor dem ersten Wettkampf, dem Biathlonsprint, aus.
Am Tag des Sprints regnete es zwar nicht mehr, der Sturm war aber nach wie vor da. Zusätzlich stiegen die Temperaturen deutlich über null Grad. Die Bedingungen waren sehr weich und tief. Teilweise kam schon der Asphalt durch. Alle Helfer schaufelten während des Rennens immer wieder Schnee auf die Strecke.
Auf jeden Fall waren es überhaupt nicht meine Verhältnisse. Beim ersten Schießen lag ich lang, was sich ausbezahlt hat, ich habe alle fünf Scheiben getroffen. Das zweite Schießen war so ungefähr das Längste in einem Wettkampf, irgendwann dachte ich, ich kann nicht noch länger die Böen abwarten, ich muss loslegen. Tja, zwei Fehler waren das Resultat. So hatte ich auf eine vordere Platzierung keine Chance, am Ende wurde ich sechste.
Dienstags fand die Staffel, ohne meine Beteiligung statt, dafür wieder mit Starkregen. Die Schneehöhe wurde weniger und weniger.
Eigentlich sollte am folgenden Tag die Langlauf Langdistanz stattfinden. Diese musste auf Donnerstag verschoben werden, da unzählige LKW Ladungen mit Schnee gebraucht wurden, die Helfer des SV Finsterau die ganze Nacht den Schnee verteilt haben und den Tag brauchten, um die Strecke zu präparieren. Hut ab, was der gesamte Verein, die Bundeswehr und alle Beteiligten da geleistet haben!!!
Eigentlich hatte ich geplant im Langlauf zu starten, da dieser aber jetzt direkt vor dem langen Biathlon lag, verzichtete ich auf einen Start. Das hat sich ausbezahlt.
Freitags waren es traumhafte Winterbedingungen, feste Spuren, Sonnenschein, aber nicht zu warm und ganz wichtig, kaum Wind.
Vom Start weg fühlte ich mich läuferisch gut, am Schießstand blieb ich fehlerfrei, in allen vier Serien. Das schaffte nur noch die erstplatzierte Russin Irina Guliaeva, dahinter kam schon ich auf Platz zwei vor der Russin Nadezhda Federova. Ein super Ergebnis, das wünscht man sich, es beim Heimweltcup auf das Podium zu schaffen. Das war auch das erste Rennen im Weltcup vor meinen Eltern, das ich fehlerfrei absolvierte, Fluch überwunden ;).
Samstags folgte der Langlauf Sprint, nicht gerade mein geliebtester Wettkampf, aber daheim nimmt man mit, was eben geht. Der Prolog war dann auch gar nicht so schlecht. Obwohl die Bedingungen wieder weicher waren, die Temperaturen stiegen fast auf 10°C, unglaublich.
Im Halbfinale war Endstation, am Anstieg holte mich die „Meute“ ein. Der Vorsprung war einfach nicht ausreichend, jedoch war es trotz Allem einer meiner besseren Sprintwettkämpfe.
Außerdem stand sonntags als letztes Rennen, die Biathlon Mitteldistanz, an. Läuferisch war die Mitteldistanz so, wie man sich das vorstellt, ich konnte alles geben und es fiel mir leicht. Auch am Schießstand fielen alle 20 Scheiben, obwohl ich in der letzten Serie mal wieder mein Magazin wechseln musste, da ein Schuss sich nicht löste. Das passierte auch schon im langen Biathlon, also hatte ich bereits Übung…
Vor der letzten Abfahrt hatte ich fünf Sekunden Rückstand auf Platz eins. Bergab hole ich normalerweise nicht mehr auf, diesmal doch, allerdings nicht genug. Auf der Ergebnisliste sind es 2,4 Sekunden Rückstand auf Sevtlana Konovalova. Ich bin aber kein bisschen enttäuscht, stattdessen freue ich mich, dass der Rückstand so gering ist. Auch zur drittplazierten Oksana Masters sind es nur knapp 13 Sekunden.
Toll war ebenfalls, dass am Wochenende eine Delegation des MTV Stuttgart nach Finsterau reiste, um mich zu unterstützen. Das hat mich unglaublich gefreut, alles einmal live zu sehen ist doch etwas anderes!

Ich bin rundum zufrieden mit dem Weltcup und freue mich jetzt auf das Weltcupfinale in Finnland in zwei Wochen!





 

Martin Fleig und ich nach der Siegerehrung

Deutsche Meisterschaften Balderschwang 16.+17.01.16

Mitte Januar fanden in Balderschwang die Deutschen Meisterschaften statt.
Ursprünglich hätten sie in Isny und Nesselwang ausgetragen werden sollen. Aufgrund des Schneemangels wurden sie dann kurzfristig verlegt. Da es in Balderschwang keinen Schießstand gibt, gab es nur zwei Langlaufwettkämpfe.
Klingt alles schön und gut auf dem Papier, aber das wurde ein Wochenende…

Freitagabend kam ich im Hotel in Buchenberg an, rund 40 Kilometer von Balderschwang entfernt (kürzester Weg).
Samstags bin ich mit dem Rest der Mannschaft in unserem Bus zur Strecke gefahren. Da aber zum Wochenende plötzlich doch der Schnee kam, war der kürzeste Weg nicht machbar, da dieser über einen Pass führt und dort herrschte Schneekettenpflicht. Also hieß das Umweg fahren. Wir haben über eine Stunde gebraucht, was ein Sprint war, im Vergleich zu den zwei Stunden zurück.
Am nächsten Morgen mussten wir um halb sieben Uhr los, damit wir rechtzeitig zum Start da waren. Wir haben es nicht geschafft…. Haben über zweieinhalb Stunden gebraucht.
Mittlerweile gab es bestimmt 30cm Neuschnee, die Straßen waren verschneit und nicht geräumt. Dazu kam, dass ich selber gefahren bin, um gleich Heim fahren zu können. Das war die erste richtige Schneeerfahrung im Auto für mich.
Und es war das erste Mal, dass ich einen Start verpasst habe. Wir sind dann alle etwas durcheinander auf die Strecke, da nach uns noch ein Schülercup und Deutschlandpokal der Nichtbehinderten stattfand. Nach dem Rennen ging es auch noch zur Dopingkontrolle.

Die Heimfahrt nach Stuttgart hatte ich dann nach fünf Stunden Fahrt überstanden.
Ach ja, genau die Wettkämpfe gab es ja auch noch…

Leider war ich Konkurrenzlos, dazu kam, dass die Strecke unterm Tiefschnee versteckt war ;).
Ich wollte das Wochenende eigentlich für ein bisschen Wettkampftraining nutzen und danach auch noch locker laufen gehen. Daraus wurde dann halt nichts.
Habe versucht, mich mit so viel Anstand wie möglich über den Kurs zu bugsieren.

Ein paar Tage später bin ich für ein paar Einheiten an den Notschrei gefahren. Da hat mir der Winter dann auch wieder Spaß gemacht.
Am Freitag 05.02. geht es für uns nach Ridnaun/Südtirol, für den letzten Lehrgang vor dem Heimweltcup in Finsterau J.

 

Athleten Team Deutschland

02.12.-09.12.15 Weltcup Tyumen

Endlich! Die Saisonvorbereitung hat ein Ende, die Wettkampfzeit hat wieder begonnen.
Nach einer gefühlt unendlichen Trainingsphase stand Anfang Dezember der erste Weltcup der Saison im westsibirischen Tyumen an.
Dass es nach Russland ging hat mittlerweile auch schon Tradition. Das war bereits mein vierter Besuch, der zweite in Sibirien.
Die Anreise war ganz schön zäh, da wir einige Stunden Aufenthalt in Moskau hatten. Dazu kam das obligatorische Drama, wenn man mit Luftgewehren reist, die eigentlich harmlos sind. Nur die Russen sind da ganz speziell und machen ein riesen Theater.
In Moskau hieß es dann auch noch, dass mein gesamtes Gepäck noch in Frankfurt ist. Da war die Freude bei mir erstmal grenzenlos…
Der lange Zwischenstopp kam mir da zugute, in der Zeit bis zu unserem Weiterflug, kam eine zweite Maschine aus Frankfurt, die mein Gepäck dabei hatte. Glück gehabt, es schläft sich doch angenehmer im eigenen Pyjama.
Vom Flughafen in Tyumen ging es noch gut eine Stunde zu unserem Hotel. Dieses lag direkt neben dem Biathlonstadion, die ganze Anlage nennt sich „Pearl of Sibieria“.
Ein gigantisches Stadion, mit fast grenzenlosen Laufmöglichkeiten, wenn man steile Anstiege und alpinartige Abfahrten liebt. Am höchsten Punkt der Strecken, kommt man auf eine Ebene, auf der ein zweites Biathlonstadion steht, verrückt.
Unser Hotel war relativ modern. Das tolle war, das alle Nationen unter einem Dach verbracht haben, sodass man sich auch mal wieder ausgiebig austauschen konnte.
Wobei Nationen übertrieben ist, da außer den Russen und uns nur noch ein paar Norweger, Franzosen, US-Amerikaner und Südkoreaner anwesend waren.
Das Essen konnten wir schon nach drei Tagen nicht mehr sehen. Den Begriff heiße Küche kennt man in Sibirien wohl nicht, dafür Knoblauch und Zwiebeln ;).
Der erste Wettkampf war die Langlauf Kurzstrecke. Ein kurzes Vergnügen, fast wie ein Prolog. Allerdings war eine tolle Schikane eingebaut, die einem das Blut in den Adern hat gefrieren ließ. Eine Abfahrt wie wir sie noch nie hatten, inklusive Steilwandkurve. Für uns Schlittenfahrer einfach unmöglich. Bei etwas schlechteren Verhältnissen wären wir der Reihe nach im Fangzaun gelandet. Zum Glück hatten die Offiziellen nach diesem Rennen ein einsehen und haben die Streckenführung geändert.
Diese war jetzt gespickt mit Serpentinen und 180 Grad Wenden, aber das alles war mir noch lieber.
Im ersten Wettkampf wurde ich Achte, der Rückstand war akzeptabel.
Am nächsten Tag, war die Langlauf Langstrecke an der Reihe. Ich wurde siebte, aber nutzen wollte ich dieses Rennen vor allem um Wettkampfkilometer zu sammeln.
Am ersten Ruhetag haben Martin Fleig und ich uns auf ein kleines Abenteuer gewagt. Es ging zu einer Veranstaltung in die Pampa in eine Einrichtung für Kinder, zum Teil mit Behinderung. Außer uns zwei Deutschen waren noch zwei Franzosen dabei und die gesamte russische Elite.
Martin und ich wussten überhaupt nicht, um was es eigentlich geht. Wir wurden in eine große, geschmückte Turnhalle gebracht. Sehr imposant!
Erst gab es ein Interview mit einer ehemaligen russischen Bobfahrerin, danach eine Autogrammstunde mit uns paralympischen Sportlern.
Am Ende ein netter Ausflug, außer das es die Angekündigte Verpflegung nicht gab und wir am Ende 10 Stunden nichts zu Futtern bekommen haben…zurück im Hotel, war uns dann der Geschmack des Essens zum erstem Mal egal.
Den Langlauf Sprint habe ich ausgelassen, um mich auf die Biathlonwettkämpfe zu konzentrieren.
Seit dieser Saison sind unsere Ziele um 2mm von 15 auf 13mm Durchmesser verkleinert worden. Im Training hatten wir noch keine Gelegenheit, auf diese kleineren Scheiben zu schießen. Daher war die Spannung natürlich groß.
Während des ersten Trainings vor Ort, hatte ich es schon vergessen, ein gutes Zeichen.
In den drei Wettkämpfen (Einzel, Sprint und Verfolgung) habe ich bei insgesamt 50 Schuss nur zwei Scheiben stehen lassen.
Der vierte Platz hat mir wohl ziemlich gut gefallen, bei allen drei Rennen hatte ich eben diesen abonniert.
Zufrieden bin ich damit, mehr war nicht drin. Meine Konkurrentinnen aus Russland, allen voran Svetlana Konovalova, Maria Iovleva und Irina Guliaeva haben jeweils eines der Rennen gewonnen und waren sonst anderweitig auf dem Podium verteilt.
Ich war aber in Schlagdistanz, daher heißt es jetzt weitermachen und sich auf den nächsten Weltcup freuen.
Das Highlight der Saison, nächster Austragungsort ist Finsterau im bayerischen Wald. Leider erst Ende Februar, vorher geht es hoffentlich noch einige Male in den Schnee zur Vorbereitung. Dazwischen sind noch im Januar die Deutschen Meisterschaften in Isny und Nesselwang. Nach zehn Tagen im kalten Weiß (nicht Skihallen Weiß), merkt man wie viel Spaß es macht wieder auf Ski unterwegs zu sein.

Nun wünsche ich erstmal frohe Weihnachten und
einen guten Rutsch ins neue Jahr :)

 

25.11.2015

Der Countdown läuft, heute in einer Woche fällt der erste Startschuss der neuen Saison. Am Sonntag geht es mit Sack und Pack los.
Der erste Weltcup findet im russischen Tyumen statt. Wieder ein interessantes Ziel. Angeblich soll das dort die größte Biathlonanlage der Welt sein. Ich fand 2011 Khanty Mansiysk schon gigantisch...
Die letzte Woche haben wir uns in Oberhof in der Skihalle vorbereitet. Leider gab es in Mitteleuropa noch keinen Naturschnee, das wäre mir natürlich lieber gewesen, da es doch schnell eintönig wird in der Halle. Die Zeit ging jedoch trotzdem recht schnell vorbei.
Im Vergleich zur Konkurrenz fehlen mir aber dennoch einige Schneekilometer, daher gehe ich jetzt eher erstmal zurückhaltend in die ersten Wettkämpfe.
Vor dem Lehrgang war noch etwas alternativ Programm angesagt. So war ich nach Fellbach in die Wichernschule zur ihrer jährlichen Winterolympiade als Gast eingeladen. Der Vormittag war wirklich klasse. Die Stationen, die es zu bewältigen galt, waren mit viel Liebe und Kreativität gestaltet. Am Besten hat mir natürlich die Biathlonstation gefallen. Da mussten die Kinder ein paar Meter Rollstuhl fahren und dann mit einer Art Armbrust auf Klappscheiben zielen - gar nicht mal so einfach!
Am Ende durfte ich die Medaillen an die drei besten Nationen überreichen!

Die nächsten Tage werde ich leicht trainieren und mich noch ein bisschen mit anderen Dingen ablenken, bevor dann die volle Konzentration auf die Rennen gerichtet wird.
Die Vorfreude ist auf jeden Fall groß, das Trainingsjahr geht jetzt doch schon wieder ganz schön lang.

 

Mit dem Team der Volksbank Stuttgart-Stammheim

30.10.2015

Am 30.10.2015 war ich von der Volksbank Stuttgart-Stammheim im Rahmen des Weltspartages zu einer Autogrammstunde eingeladen. Dabei kamen meine neuen Autogrammkarten zum Einsatz. Vielen Dank an das Team der Volksbank für die gute Betreuung.

Sportlich gibt es nach wie vor nichts Neues - der erste Wettkampf startet Anfang Dezember im russischen Tyumen. Es wird dann wieder wie immer zu Saisonbeginn spannend, ob neue Gesichter im Weltcup auftauchen. Im Gegensatz zur Konkurrenz waren wir in der Vorbereitung bisher nur kurz auf Schnee, drei Tage Anfang August in Oberhof in der Skihalle. Wenn man sieht, was andere Teams für Möglichkeiten haben, könnte man direkt ein wenig neidisch werden.


 


Sommer 2015

Nach langer, langer Zeit melde ich mich wieder mit einem Bericht.
Dieses Jahr habe ich mir eine längere Saisonpause gegönnt, als die letzten Jahre. Das hieß für mich: kein Training - und zwar den ganzen April!
Am 01. Mai war ich wirklich schon kribblig und voller Vorfreude, mich endlich wieder bewegen zu dürfen.
Wobei dann viel Energie noch für das Mitfiebern mit dem VfB Stuttgart drauf ging. Zum Glück hat das Daumendrücken vor dem Fernseher und live im Stadion (Danke noch mal an Ensinger) etwas zum Klassenerhalt beigetragen.
Die Euphorie kannte dann keine Grenzen mehr, als der FC Barcelona das Triple gewonnen hat, WOW!

Bei mir ging es sportlich ganz ruhig los, erst mal galt es wieder ein gewisses Grundniveau zu erreichen.
Die Hitze der letzten Wochen habe ich einigermaßen überstanden. Wenn es möglich war, bin ich erst gegen Abend auf die Trainingsstrecken, wenn nicht ging es mittags bei gefühlten 80°C im slow motion Tempo vorwärts.
Dazu hat mein Gewehr auch von der Trainingspause im Frühjahr profitiert. Es hat eine neue Lackierung gegeben. Das hat es sich nach all den Jahren auch wirklich verdient. Sozusagen ein kleines Facelift für die Waffe, sie erstrahlt jetzt wieder in neuem Glanz (Danke Heimtrainier).
Weitere Highlights waren natürlich das Fußballspiel in Köln der „Mannschaft“ und der Kirchentag 2015 in Suttgart (Bilder sind ja bereits online).
Besonders an den Kirchentag werde ich mich für immer erinnern. Ich habe so viele tolle und spannende Bekanntschaften gemacht.

Außerdem wurde ich als Patin zu zwei integrativen Sportfesten eingeladen.
Das Erste war am 20. Juni in Bettringen bei Schwäbisch Gmünd. Ausrichter war das Haus Lindenhof, eine Einrichtung für behinderte Menschen. Jedes Jahr nehmen die Bewohner des Hauses mit einem nichtbehinderten Tandempartner an diesem Fest teil. Leider war das Wetter nicht gerade sommerlich, alles begann morgens bei einem kleinen Monsunregen. Mit dem Vertreter der AOK habe ich ein Tandem gebildet. Die verschiedenen Stationen gingen über Ballweitwurf, 100m Lauf bis zu Weitsprung. Da habe ich schnell gemerkt, dass ich doch lieber beim Langlauf bleibe und der Ausflug in die Leichtathletik eine Ausnahme bleibt ;). Vor allem die Medaillenübergabe am Ende hat gezeigt, mit wie viel Ehrgeiz die Teilnehmer ans Werk gehen.

Das zweite Sportfest war erst letzte Woche am 22.07 in Ansbach.
Dort organisiert seit ein paar Jahren jedes Jahr eine Seminargruppe des Theresien-Gymnasiums eine kleine Olympiade.
Wirklich beeindruckend was die Schüler da in einem Schuljahr organisieren.
Die behinderten Teilnehmer kommen von der Sebastian-Strobel Schule, die mit den Schülern der siebten Klasse kleine Gruppen bilden und die verschiedensten Stationen absolvieren müssen. Jede Station soll eine Fähigkeit fördern, wie z.B. Teamgeist, Kooperation, usw.
Zu Beginn gibt es einen Nationeneinmarsch, mit originaler Fackel der Olympiade 1972 in München. Ich durfte die selbst entworfene Flagge der Spiele tragen.
Eine wirklich super Veranstaltung trotz krassem Wetterunterschied zum letzten Sportfest, da es jetzt keine Wolke am Himmel gab und 35°C im Schatten.
Ich wurde herzlich empfangen und habe mich wirklich sehr gefreut, alle Seminarteilnehmer und Athleten kennenzulernen, plus meinen Sportlerkollegen Paul Sichermann, den Vizeweltmeister im Berglauf. Immer schön sich mit einem "Gleichgesinnten" austauschen zu können.
Nächste Woche steht dann aber wieder mein Sport im Vordergrund. Da geht es zum ersten Lehrgang der neuen Saison nach Freiburg. Juhuuuu!

 

Weltcupfinale Surnadal (Norwegen) 16.03.-23.03.15

Von 17.03.-22.02.2015 fand in Surnadal (Norwegen) das Weltcupfinale statt.
Surnadal liegt etwas mehr als zwei Autostunden von Trondheim entfernt an einem kleinen Fjord.
Ein traumhaft schönes Fleckchen, ich habe mich dort sofort wohl gefühlt. Im Laufe der Woche haben wir alle schon unseren nächsten Urlaub in Norwegen geplant ;).
Wobei wir auch wirklich Glück mit dem Wetter während unseres Aufenthaltes dort hatten. Fast nur Sonne und es war eigentlich schon zu warm für uns Wintersportler. Was auch gut war, denn wir haben auf einem Campingplatz in kleine Holzhütten gewohnt. Es war recht eng und kuschelig aber irgendwie auch ganz nett.
Trotz der warmen Temperaturen waren die Schneebedingungen auf der Strecke noch echt spitze. Im Tal unten lag kein Schnee mehr, aber oben wo die Strecken lagen, war es ein Traum.
Begonnen hat der Weltcup mit der Langlauf Langdistanz (12km). Da kommt man dann wenigstens gleich so richtig in den Wettkampfbetrieb.
An diesem Tag lief es für mich allerdings nicht sehr berauschend. Habe mich körperlich sehr müde gefühlt und bin gar nicht so richtig in eine vernünftige Belastung gekommen. So lief ich von Anfang an hinterher.
Kommt vor, die restlichen Starterinnen sind auch alles richtig starke Läuferinnen gewesen, gegen die ich selbst in guter Verfassung keine Chance habe.
Die Stimmung an der Strecke war super. Es waren viele Schulklassen da, die richtig Betrieb gemacht haben.
Die Starterfelder waren beim Weltcupfinale allgemein nicht so richtig groß, aber immerhin waren es alle starke Starter. Das hieß aber auch, dass ich mit meinem sechsten Platz ganz hinten landete.
Am Tag nach dem langen Langlauf stand der Biathlon Sprint an.
Bevor ich zum Rennen komme, gibt es noch etwas Anderes zu berichten.
Am Abend vor dem Rennen haben wir etwas Unglaubliches miterleben können: die Nordlichter! Eigentlich haben wir nicht damit gerechnet sie zu dieser Jahreszeit noch zu sehen. Da waren wir alle mal kurz sprachlos. Wunderschön dieses Schauspiel mal gesehen zu haben.
Für die insgesamt drei Biathlonwettkämpfe war ich für zwei sehr motiviert und habe mir zumindest ein gutes Ergebnis erhofft. Für den Verfolger, der aus dem Sprintergebnis resultiert, habe ich mir keine großen Hoffnungen gemacht, da meist mein von den Prozenten her umgerechneter Zeitvorsprung nicht wirklich ausreichend war.
Aber jetzt erstmal zum Sprint.
Wir waren fünf Starter, wieder nicht berauschend, aber auch hier wieder nur Topfrauen am Start.
Zum Glück habe ich schon beim Einlaufen gespürt, das es mir besser geht als am Vortag. Von Beginn an habe ich Gas gegeben und eigentlich schon in der ersten Runde Sternchen gesehen, aber irgendwie bin ich am Schießstand trotzdem ruhig und konzentriert gewesen und habe die ersten fünf Scheiben abgeräumt. Nach einer kleinen Verhedderung meines Stockes in dem Seil, das die Klappscheiben wieder aufzieht, ging es wieder auf die Runde. Und siehe da, ich bin in Führung gegangen. Also bin ich genauso weitergelaufen, wie die erste Runde auch schon und habe nichts an Zeit verloren. Beim zweiten und letzten Schießen blieb ich wieder fehlerfrei und lag auch weiter in Führung. Als ich kurz nach dem Stadion an meinem Bundestrainer vorbeikam, rief er mir zu, dass ich gewinne.

Da aber der Verfolger von dem Sprint abhängt, habe ich nicht nachgelassen und wollte meinen Vorsprung noch ein bisschen ausbauen. Mit 46 Sekunden Vorsprung kam ich ins Ziel.
Ein super Rennen, mein erster Weltcupsieg in diesem Winter. Zusätzlich hatte ich durch dieses Ergebnis noch Chancen auf das Podium für den Gesamtweltcup zu kommen.
Freitags hatten wir Ruhetag. Leider war dies der einzige richtig verregnete Tag. Nichtsdestotrotz sind wir mit unserem Bus am Fjord entlang gefahren. Wirklich wunderschön. Kurz sind wir auch an einem Strand ausgestiegen um ein bisschen Seeluft zu schnuppern. Die Tanknadel beendet dann aber unsere kleine Erkundungstour. Zumindest haben wir mal einen kleinen Eindruck der Landschaft bekommen. Macht definitiv Lust auf mehr.
Nach meinem Erfolg im Biathlon Sprint hatte ich einen ziemlich großen Vorsprung (4:32 Minuten) vor dem Rest des Feldes. Aber über zehn Kilometer wusste ich nicht wie lange dieser halten würde. In der Verfolgung bin ich bisher so mit rund einer Minute weniger gestartet und wurde spätestens in der zweiten von fünf Runden eingeholt. Da die Prozente mit in den Vorsprung vom Sprint gerechnet werden, gewinnt diejenige die tatsächlich auch als Erste über Ziellinie fährt.
Da wir Schlittenfahrer erst Mittags Start hatten, konnten wir davor die Sonnenfinsternis verfolgen. Bei uns in Norwegen wurde es um kurz nach 11 Uhr erstmal richtig dunkel. Der Mond verdeckte 90% der Sonne, leider hatten wir keine Brillen, sodass wir das Spektakel mehr im Fernsehen verfolgt haben.
Schon jetzt war der ganze Norwegen Trip ein einziges Highlight.
Jetzt aber zum Verfolger:
Ich bin das Rennen mit Vollgas angegangen, um so lange wie möglich vorne zu bleiben. Als ich fast zum ersten Schießen kam, sind meine Verfolgerinnen gerade gestartet.
Es war wieder eine super Stimmung an der Strecke, dazu Sonnenschein. Da fiel es einem nicht schwer sich zu motivieren und Alles zu geben. Dazu ist es schon ein schönes Gefühl das Feld anzuführen. Das habe ich sonst nicht oft, wenn wir mit dem üblichen 30 Sekunden Jagdstart loslegen.
Die erste Serie am Stand verlief fehlerfrei. Am Ende der zweiten Runde, habe ich meine ersten Zwischenzeiten bekommen. Ich hatte auf die Zweitplatzierte rund 50 Sekunden verloren. Da dachte ich, naja ich gebe alles und wenn sie mich holt, dann ist es halt so.
Beim zweiten Schießen blieb ich allerdings wieder fehlerfrei und auf der Strecke habe ich nur noch wenige Sekunden verloren.
Läuferisch lief es richtig super und ich habe die Anderen auf der Runde gesehen und konnte vergleichen, wie viel Meter sie gut machen. Es waren nicht viele. Bei den nächsten zwei Schießeinlagen räumte ich auch alle Scheiben ab. Da war klar, ich gewinne auch die Verfolgung. Ein Wahnsinnsgefühl, wenn man die letzte Runde genießen und sich feiern lassen kann.
Auf Platz zwei kam die Russin Natalia Kocherova (RUS) und die Weißrussin Lidziya Hrafeyeva. Es war genau das gleiche Ergebnis wie auch schon im Sprint.

Durch meinen zweiten Sieg in Folge hatte ich nun die Chance auf den Gesamtweltcupsieg im Biathlon. Als ich das realisiert habe musste ich schon kurz meine Nerven ein wenig beruhigen.
Allerdings musste ich den nächsten Biathlon eigentlich auch gewinnen um das zu schaffen. Daher habe ich diesen Gedanken erstmal verdrängt, da für den Sonntag schlechtes Wetter mit viel Wind vorhergesagt wurde. Und bei einer Windlotterie ist man beim Schießen dann doch ab und zu machtlos.
Erstmal genoss ich aber die Siegerehrung für das Verfolgerrennen.
Nach den zwei tollen Biathlon Rennen kam die Langlauf Mittelstrecke über fünf Kilometer.
Irgendwie bin ich auch in diesem Langlauf Wettkampf nicht zurecht gekommen. Es war nicht schlecht, mein Rückstand ist nicht übermäßig groß, aber ein gutes Rennen war es auch nicht.
Vielleicht habe ich mich unbewusst für den nächsten Tag geschont. Die anderen Damen waren einfach eine Klasse besser. Das konnte ich nach zwei Siegen gut verkraften.
Am Ende stand ein fünfter Platz auf dem Papier.

Den Rest vom Mittag habe ich mit unserer Physio Alex und meinem Mannschaftskollegen Martin Fleig bei strahlend blauem Himmel an der Strecke verbracht. Dabei haben wir uns den ersten Sonnenbrand des Jahres geholt. Es war nett auch mal den Anderen beim Rennen zuzuschauen. Nicht so nett war, dass Clara Klug, eine B-Läuferin von uns, gestürzt ist und sich an der Schulter verletzt hat.
Danach ging es zu uns auf den Campingplatz zurück und dann war Kräfte sammeln und relaxen angesagt.
Als letztes Rennen der Saison 14/15 stand der lange Biathlon an. Ein Rennen das ich sehr gerne mag.
Mit dem Hintergedanken Gesamtweltcup war ich doch eher etwas ruhiger und angespannter den Vormittag über.
Der Himmel war wie angekündigt stark bewölkt und die Bäume wippten auch stärker hin und her.
An der Strecke angekommen ging es zum Anschießen. Danach wollte ich am Liebsten direkt starten. Zu viel Warmlaufen wollte ich nicht mehr, da die Kräfte doch zur Neige gingen. Außerdem hat man bei 12,5 km genug Zeit sich warm zu laufen.
Als ich endlich los durfte, war mein erstes Gefühl schlecht. Aber nach einem Kilometer wurden meine Arme frei und ich konnte loslegen wie an den Biathlonrennen zuvor.
Die erste Serie am Stand brachte ich fehlerfrei über die Bühne, auch wenn ich wegen des Windes länger lag als sonst. Aber es hat sich immerhin gelohnt, denn bei diesem Wettkampf gibt es für jeden Fehler eine Strafminute. Bis auf eine Konkurrentin schossen die anderen einige Male an diesem Tag daneben. Auch ich blieb nicht fehlerfrei, zwei Scheiben blieben insgesamt stehen. Bei solchen Bedingungen kann ich damit aber wirklich gut leben. Zumal ich von der ersten Runde an geführt habe. Unglaublich, ich habe das Tripple perfekt gemacht.
Im Ziel habe ich dann erstmal nicht geglaubt, was ich da vollbracht habe: ich habe den Gesamtweltcup im Biathlon gewonnen!!!
Besonders schön war es, weil auch Martin Fleig sein Rennen gewonnen hat - sein erster Weltcupsieg.
So habe ich einen mehr als versöhnlichen Saisonabschluss hinbekommen. Mit der WM war ich nicht zufrieden, zwar waren vor allem die Strecken schuld, trotzdem…
Als ich abends bei einer gelungenen Siegerehrung im Kulturhaus in Surnadal die Glaskugel überreicht bekam, war meine Sportlerwelt erstmal in Ordnung.
Danach gab es noch ein Abschlussessen mit den anderen Nationen.
Der beste Abschluss des Tages war allerdings in unserer Hütte den Sieg vom FC Barcelona im El Clásico zu schauen.

Mit dem Ende der Saison kehrt erstmal ein wenig Ruhe ein. Bis Anfang Mai werde ich mir mal eine richtig lange Pause gönnen und dann wieder voll motiviert in die Vorbereitung für die kommende Saison einsteigen.






 

Siegerehrung Biathlon-Verfolgung

Quelle: Martin Fleig

18.03.2015: Erster Weltcupsieg der Saison 2014/15 beim Weltcupfinale in Surnadal/Norwegen

Heute war es endlich soweit. Der erste Weltcupsieg der Saison im Biathlon über 6 Kilometer. Nachdem gestern beim Langlauf über 12 Kilometer nicht viel ging, stand ich heute mit leichtem Frust am Start. Den Frust konnte ich dann auf der Strecke in Leistung ummünzen, es lief sehr gut in der Loipe, natürlich auch dank guter Ski. Am Schießstand konnte ich alle zehn Scheiben zum Umklappen bringen, so stand dann die ersehnte Topplatzierung fest. Schön dass auch mein Teamkollege Martin Fleig heute den zweiten Platz bei den Herren belegt hat. Für mich geht es am Freitag mit der Biathlon-Verfolgung weiter. Da bin ich die Gejagte, allerdings lehrt die Erfahrung, dass der Zeitvorsprung vor der Konkurrenz nicht reicht, um ganz vorne zu landen. Aber man weiß ja nie, was am Schießstand passiert;)

20.03.2015: Zweiter Weltcupsieg in Surnadal

Fortsetzung von oben: Es war tatsächlich so, dass die heutige Verfolgung im Biathlon über zehn Kilometer vor allem am Schießstand entschieden wurde. Im Gegensatz zur Konkurrenz habe ich alle zwanzig Scheiben getroffen. Bei schwierigen, vor allem wechselnden Bedingungen, war es nicht einfach, die Treffer zu setzen. Auch auf der Strecke habe ich mich wieder gut gefühlt. So hat mein Vorsprung aus dem Sprint tatsächlich gereicht, um wieder ganz oben zu stehen. Freude!



 

01.03.15 Ganghofer Lauf

Das vergangene Wochenende sind wir von der Nationalmannschaft aus ins Leutaschtal gefahren. Dort haben wir am Ganghofer Lauf teilgenommen.
Das ist ein sehr bekannter Volkslauf in der Langlauf Szene.
Vier verschiedene Distanzen stehen zur Auswahl: 25 und 50 Kilometer in der klassischen Technik, in der Skating Technik sind es 20 und 42 Kilometer.
Eine super spannende Erfahrung, da ich noch nie bei einem Volkslauf gestartet bin. Die lange Wettkampfpause war dafür jetzt optimal geeignet.
Meine erste Idee war eigentlich die 20 km Skatingstrecke zu laufen. Nach einer Trainingseinheit vor fast zwei Wochen in der ich eben diese Distanz absolviert hatte, dachte ich: na, das mach ich ja jeden Tag. So ein Volkslauf soll einen ja an seine Grenzen bringen und richtig herausfordern. Daher habe ich mich schließlich für die 42 km Skatingstrecke entschieden. Noch nie in meinem Leben habe ich mehr als 30 km im Schlitten absolviert, puh!
Als Zielzeit habe ich mir so um die vier Stunden vorgenommen. Wobei das vorrangige Ziel war, die Strecke zu bewältigen.

Samstags haben wir die Startnummern abgeholt und uns die schwierigsten Passagen der Strecke angeschaut. Eigentlich geht es „nur“ das Tal rauf und wieder runter. Bei Kilometer 33 ungefähr gibt es allerdings zwei böse Anstiege mit ganz schön schnellen Abfahrten. Am nächsten Morgen um zehn Uhr fiel dann der Startschuss. Außer mir waren noch meine zwei Schlittenkollegen am Start. Nach ein paar hundert Metern waren diese allerdings schon ein gutes Stück vor mir.

Bei so einer Distanz ist es unglaublich wichtig, dass man sein eigenes Tempo läuft und nicht am Anfang schon sein ganzes Pulver verschießt.
So war ich relativ schnell am Ende des Feldes, wo ich auch die ganze Zeit geblieben bin. So hatte ich aber die ganze Zeit überaus nette Begleiter, die den „Besenwagen“ gespielt haben. Sie haben mir die Spur freigemacht, wenn Touristen darin unterwegs waren. Außerdem war es gut sich ein wenig mit Gesprächen ablenken zu können, als die Muskeln langsam das Schmerzen angefangen haben (was nach 30 km der Fall war).
Betreuer der Mannschaft haben an jedem Straßenübergang geschaut, ob ich noch lebe ;). Eine Stunde ist auch mal Werner Nauber, unser ehemaliger Bundestrainer, mit mir gelaufen. Verloren gehen konnte ich also nicht.

Die Strecke an sich war ein Traum, erstens landschaftlich und zweitens vom Profil. Das Wetter hat auch mitgespielt, es war nicht zu kalt oder zu warm und statt dem angesagten Regen kam leichter Schneefall, zum Ende hin sogar etwas Sonne. An den vorher angesprochenen Anstiegen habe ich ganz schön kämpfen müssen. Kurzzeitig dachte ich: Ah, so fühlt sich also die Ohnmacht an! Die Abfahrten bin ich mit Hilfe von Werner auch heil hinunter gekommen. Plötzlich waren es nur noch sieben Kilometer bis ins Ziel. Wunderbarerweise ging der letzte Teil bergab, bis auf einen Anstieg kurz vor Schluss. Das war zu schaffen.

Nach vier Trinkpausen, zwei halben Müsliriegeln und 3:32 Stunden hatte ich die Ziellinie überquert. WOW!
Ein super Gefühl die Herausforderung gemeistert zu haben. Es hat riesigen Spaß gemacht, auch wenn es wirklich hart und anstrengend war.

In zwei Wochen geht es nach Surnadal, Norwegen zum Weltcupfinale. Neuer Weltcup-Ort, somit neue Strecken zum Kennenlernen. Ich bin schon gespannt!

 

13.02.-15.02.15 Internationale Deutsche Meisterschaften in Finsterau

Am vergangenen Wochenende fanden in Finsterau im bayerischen Wald die Internationalen Deutschen Meisterschaften statt.
Es ist immer wieder schön nach Finsterau zu kommen. Bereits zweimal wurden dort die Deutschen Meisterschaften ausgetragen, sowie 2011 ein IPC Weltcup.
An diesen erinnere ich mich besonders gerne, da ich dort die Qualifikation für meine erste WM geschafft habe.
Die Austragung findet auch nicht ganz ohne Grund dort statt. Nächste Saison trägt der örtliche Verein SV Finsterau wieder einen Weltcup aus und ein Jahr später kommt ein echtes Highlight: die WM im eigenen Land.
Freitagabends ging es mit dem Biathlon Sprint los. In meiner Startklasse war ich leider die einzige Starterin. Um es etwas spannender für mich zu gestalten, wurden meine Zeiten inoffiziell mit denen von den Männern Sitzend verglichen.
Es ist immer wieder spannend ein Nachtrennen zu laufen, das gibt es bei uns sonst nie. Auf jeden Fall ist es von Vorteil, wenn man die Strecke schon gut kennt, da die Beleuchtung nicht auf allen Streckenteilen so gut ausgeprägt ist.
Läuferisch ging es super und am Schießstand blieb ich auch fehlerfrei. So ein Wettkampf hat mal wieder richtig Spaß gemacht, da die Rennen in Cable doch irgendwie mehr Kampf waren.
Außerdem musste ich meinen Eltern beweisen, dass ich alles treffen kann, auch wenn sie live dabei sind. Das habe ich zuvor noch nicht geschafft.
Da die beiden Jungs jeweils zweimal die Strafrunde besuchen mussten, habe ich das Rennen in unserer internen Wertung deutlich gewonnen. Nett…..
Samstagvormittags stand die Langlauf Mittelstrecke an. Eigentlich hätte ich als Frau „nur“ 7,5km laufen müssen, aber ich wollte mich ja wieder mit den Männern messen, daher habe ich mich für eine Runde mehr entschieden, sodass ich auf 10km gekommen bin.
An diesem Tag eine gute Entscheidung, da es ein fast perfekter Wintertag war. Strahlend blauer Himmel und eine super präparierte Loipe. Das einzige Manko, es war vielleicht ein bisschen zu warm. Jede Abfahrt im schattigen Waldstück habe ich herbeigesehnt, das kommt bei mir doch äußerst selten vor.
Die letzte Runde ging dann etwas schwer und ich war froh, als ich ins Ziel abbiegen konnte. Dennoch bin ich technisch sauber durchgekommen. Somit war das ein tolles Training.
An diesem Tag war ich in unserer Wertung nur sieben Sekunden hinter Martin Fleig, auf zehn Kilometer kann ich damit mehr als gut leben.
Abends fand die Siegerehrung der ersten zwei Rennen statt. Dafür kam sogar hoher Besuch. Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, kam extra für die Deutschen Meisterschaften nach Finsterau und hat sich die Wettkämpfe am Samstag und Sonntag nicht entgehen lassen. Fanden wir alle sehr schön, dass sie sich die Zeit genommen hat.
Zum Abschluss galt es am Sonntag noch 5km zu absolvieren. Das Wetter war leider nicht mehr so schön wie am Vortag. Der Nebel war dieses Mal bei uns oben am Berg, dafür war es in den Tälern sonnig.
Es war noch mal ein guter Wettkampf. Hatte wieder keinen großen Rückstand zu Martin und hatte auch beim Laufen ein gutes Gefühl.
Ein herzliches Dankeschön in diesem Rahmen an den SV Finsterau. Die Ausrichter haben wie die letzten Male schon ein tolles Event für uns paar Starter organisiert. Ich bin froh, dass sie dafür 2017 mit der WM belohnt werden.
Für mich geht es in zwei Wochen in Seefeld weiter. Dort werde ich mit ein paar Nationalmannschaftskollegen beim Ganghofer Lauf starten. Mein erster Volkslauf, ich bin gespannt.
Danach steht mit März das Weltcupfinale in Surnadal, Norwegen an.

 

21.12.2014 Sportler des Jahres Gala in Baden-Baden

Am vergangen Sonntag fand in Baden-Baden im Kurhaus die Preisverleihung „Sportler des Jahres“ statt. Diese Verleihung gibt es schon seit vielen Jahren. Neu dieses Jahr war allerdings, dass ich eingeladen war ;).

Zusammen mit meinem Papa (Heimtrainer) machte ich mich also am Sonntagvormittag auf den Weg ins Badische.
Untergebracht waren wir, wie eigentlich fast alle geladenen Sportler, im Badischen Hof.
Da unsere Zimmer noch nicht fertig waren als wir ankamen, hatten wir die Gelegenheit, in der Lobby die ganze anreisende Sportprominenz schon mal aus der Ferne zu bestaunen.
Nachmittags ging es für mich zum Styling in den Salon von Sebastian Späth gegenüber dem Hotel. Dort hatte jeder die Möglichkeit sich kostenlos vom Wella Styling Team aufhübschen zu lassen. Eine einmalige Gelegenheit, die ich natürlich nutzen wollte. Vielen Dank dafür an den Salon Späth und Wella. Heraus kam für mich eine etwas ungewohnte, aber dem Anlass gerechte Frisur. Bilder gibt es bei Wella.
Um kurz nach halb sechs war dann großer Auflauf vor der Rezeption, wo auch die Shuttles zum Kurhaus abfuhren.
Das Ereignis begann.

Zusammen mit drei weiteren Gästen fuhren wir an dem roten Teppich vor. Dabei ging es auch über den Weihnachtsmarkt. Die ganze Strecke entlang hatten sich Schaulustige und Sportfans versammelt, um einen Blick in die Limousinen zu erhaschen und vielleicht ein bekanntes Gesicht zu sehen.
Der rote Teppich begann draußen vor dem Kurhaus und erstreckte sich durch die gesamte Eingangshalle inklusive Sponsorenwand, vor der sich alle Medienvertreter wie bei der Oscarverleihung die Finger taub knipsten.
Im Bénazetsaal fand die Verleihung statt. Unser Tisch war die Nummer 67, ziemlich weit hinten, aber direkt am großen Gang, an dem alle Gäste entlang kamen. Die nächste Gelegenheit um die Sportler hautnah zu erleben. Toller Weise saßen neben zwei Journalisten noch die Alpinen Anna-Lena Forster und Andrea Rothfuss mit am Tisch. Mit diesen zwei ist jeder Abend mindesten doppelt so unterhaltsam.

Da mein Vater und ich die totalen Sportfans sind eine prima Gelegenheit, ein paar Schnappschüsse zur Erinnerung zu machen. So zum Beispiel mit Robert Harting oder den Volleyballern Max Günthör und Michael Andrei, die mal eben gefühlte drei Meter größer waren als ich.
Kaum war die Vorspeise serviert, ging hinter uns im Gang das Blitzlichtgewitter los, Maria Höfl-Riesch hatte den Saal betreten.
Vor dem Hauptgang huschten noch Joachim Löw und Christoph Kramer herein.
Kurz darauf begann die Aufzeichnung der Fernsehübertragung.
Ich hatte schon eine Gänsehaut, als die ganzen sportlichen Ereignisse des Jahres in kurzen Filmen zusammengefasst gezeigt wurden.
Die Verleihung ging vorbei wie im Flug.

Als der Fotografenansturm auf die drei Sieger vorüber war, nutzten mein Vater und ich die Gelegenheit, um weitere Erinnerungsfotos zu ergattern. Dabei ergab sich die Gelegenheit kurz mit IOC Präsidenten Thomas Bach zu sprechen, mit Wolfgang Niersbach, dem Ironman Stefan Kienle, Maria Höfl-Riesch und Fabian Hambüchen in die Kamera zu grinsen.
Aber das wirkliche Highlight kam noch. Glückspilz wie ich bin, war die Afterparty für mich was Besonderes. Ich habe am Montag meinen 23. Geburtstag gefeiert. Ich muss sagen, es gibt fast keinen besseren Rahmen als die Sportler Gala, um in einen Geburtstag hinein zu feiern.
Um kurz vor Mitternacht bat mich der Präsident des DBS, Julius Beucher, in die Olympialounge.
Plötzlich befanden mein Vater und ich uns an einem Tisch mit Thomas Bach und den Herren Niersbach, Löw und Hörmann. WOW!
Um Punkt Null Uhr organisierte Fabian Hambüchen ein Geburtstagsständchen der Band, da auch noch die Fechterin Britta Heidemann am selben Tag Geburtstag hat.
Einfach unvergesslich, wer danach alles herkam und mit gratulierte.

Hätte mir jemand zu Jahresbeginn gesagt, wie und wo ich in meinen Geburtstag feiere. Oh je, ich hätte denjenigen für total bekloppt gehalten. Anders kann man das nicht formulieren.
Dieses Jahr werde ich so schnell nicht vergessen und ich muss sagen irgendwie würde es mir gefallen, wenn 2014 noch ein wenig länger anhalten würde ;)! Sochi wird sich für immer so anfühlen, als ob es gestern gewesen ist und zugleich, als ob es nie passiert wäre.
Mal ganz abgesehen von den Events die folgten…

Aber als Sportler geht es ja auch um den nächsten Wettkampf, daher richtet sich der Fokus jetzt auf das nächste Jahr. Ich freue mich auf die WM in den USA im Januar 2015.

 

Lehrgang + Weltcup Finnland 03.12.-18.12.2014

Der erste Weltcup der neuen Saison liegt hinter mir. Am 18.12. bin ich aus Vuokatti zurück gekommen.

Los ging es am 03.12. in Frankfurt. Für mich wurde es wirklich höchste Zeit, dass die Wettkämpfe wieder starten. Nach fast acht Monaten Training reicht es dann selbst mir mal.
Die ersten paar Tage in Finnland nutzten wir aber noch zu einem kleinen Trainingslager, was zugleich auch unsere ersten Kilometer auf echtem Schnee bedeutete (wir waren ja schon in der Skihalle auf Kunstschnee unterwegs).
Das war schon mein viertes Mal in Vuokatti. Wie zuvor, wohnten wir auch jetzt wieder in kleinen Appartements, jeweils zu viert. Es gab den gleichen Speiseplan für alle, aber jedes Appartement war selbst für das Kochen zuständig. Eine willkommene Abwechslung zum Trainingsalltag, vor allem wenn es schon um 14 Uhr wieder dunkel wird.

Am 10.12. begann dann der offizielle Teil der Finnland Reise, nämlich der Weltcup. Der erste Wettkampf nach den Paralympics in Sochi. Es war schon ein komisches Gefühl wieder am Start zu stehen. Vor allem hätte der Unterschied kaum größer sein können. In Sochi sind wir vor vier bis fünftausend Zuschauern gelaufen, in Finnland waren nur Betreuer und Trainer an der Strecke.
Trotzdem hat es wieder richtig großen Spaß gemacht. Der erste Wettkampf war der Biathlon Sprint. Wie ich erwartet hatte lief es läuferisch noch nicht ganz so gut, da man sich erstmal die Wettkampfhärte wieder erarbeiten muss. Am Schießstand dagegen blieb ich fehlerfrei (das erste Mal in einem Weltcuprennen), was mir am Ende den vierten Platz bescherte.

Am Tag darauf stand der lange Biathlon an, 12,5 km laufen und viermal Schießen. Läuferisch ging es ungefähr so wie am Vortag, dazu lies ich eine Scheibe stehen. Dennoch teilte mir mein Cheftrainer Ralf Rombach mit, dass ich es auf das Podium schaffen kann. So gab ich in der letzten Runde noch mal alles und wurde mit dem dritten Platz belohnt. Ein super Resultat für mich, denn die Strecken kommen mir dort nicht entgegen. Dazu sind das Profil und vor allem die Abfahrten zu leicht.

Abends haben wir uns alle zum gemeinsamen Pizza Essen in einem Appartment getroffen, um gleichzeitig auch noch den 20. Geburtstag von Nico Messinger zu feiern. So entstand ein kleiner Wettkampf, welches Vierergrüppchen denn nun die beste Pizza gemacht hat. Der Sportlerehrgeiz zieht sich eben durch alle Bereiche.
Nach dem willkommenen Ruhetag am Freitag, ging es samstags mit der Langlauf Mittelstrecke weiter. Nicht gerade meine Lieblingsdisziplin, aber auf jeden Fall ein gutes Training. Auf der Ergebnisliste stand nachher ein zehnter Platz, nicht hervorragend, aber mein Zeitrückstand war noch akzeptabel.

Den Langlaufsprint am Sonntag habe ich ausgelassen, da dieser ziemlich viel bergab ging. Da hätte ich mir noch extra Gewichte an den Schlitten binden müssen, um eine Chance zu haben.
Der letzte Wettkampf war nochmals ein Biathlon Sprint. Allerdings mit einem großen Unterschied zum Ersten.
Wir haben nämlich eine Premiere gefeiert und das erste Mal mit elektronischen Waffen geschossen, sprich mit Lasergewehren.
Das war ein Testwettkampf, der allerdings trotzdem in den Weltcup zählt.
In den Tagen zuvor hatten wir die Möglichkeit mit diesem System zu trainieren. Es ist schon etwas komplett Neues, wenn man plötzlich keine Magazine mehr laden und nicht mehr auf den Wind schauen muss.
Auch wenn ich vor dem Wettkampf ein wenig unsicher war, weil eben die komplette Routine zum Fenster rausfliegt, habe ich diese Unsicherheit mit dem Start vergessen. Stattdessen habe ich mich endlich auf der Loipe richtig gut gefühlt. Das hat in mir eine totale Euphorie ausgelöst, die ich am Schießstand nutzen konnte und fehlerfrei geblieben bin. Das hieß am Ende noch mal Platz drei, hinter der Russin Marta Zaynullina und der US Amerikanerin Oksana Masters.
Zum Abschluss ein super Rennen, das tut gut.

Nach über zwei Wochen Finnland habe ich mich dann aber doch auch wieder auf Daheim gefreut. Allerdings wurde die letzte Nacht noch etwas lang, da um kurz vor zwei Uhr noch mein Gepäck bei mir ankam. Zwei der Begleitläufer Florian Schillinger und Martin Härtl sind mit dem Materialbus von Deutschland bis Vuokatti und wieder zurück gefahren, RESPEKT!

Nun steht am Sonntag noch die Wahl zum Sportler des Jahres in Baden-Baden an. Das wird ein richtig toller Abend. Danach gibt es ein paar ruhigere Tage über Weihnachten, bevor es dann mit der WM Vorbereitung weitergeht.





 

Im Sport & Olympiamuseum Köln

30.11.2014 DBS-Sportlerehrung

Am 29.11.2014 fand im Sport & Olympiamuseum die Ehrung der Behindertensportler 2014 statt. Vielen Dank an alle, die abgestimmt haben. Als eine von drei nominierten Athletinnen war ich in Köln unter den 400 geladen Gästen. Die öffentliche Wahlrunde gewann Anna Schaffelhuber, die somit Behindertensportlerin 2014 ist.

Jetzt geht es endlich sportlich weiter! Der erste Weltcup im finnischen Vuokatti startet am 10. Dezember mit dem Biathlon-Sprint. Die weiteren Wettkämpfe gehen dann bis zum 17. Dezember. Ergebnisse gibt es unter diesem Link. Dem Weltcup geht ein Trainingslehrgang voraus, von dem aus wir direkt in die Wettbewerbe starten. Das wird ein echter Härtetest zu Beginn der Saison. Höhepunkt sind dann die Weltmeisterschaften im amerikanischen Cable/Wisconsin ab dem 24. Januar.




 

Bildquelle SportRegion Stuttgart/Markus Bechert

Bei der Fragerunde nach der Podiumsdiskussion

18.11.2014 Sport-Talk 16 in Schorndorf

Am 18.11.2014 war ich als Gast zum 16. Sport Talk der Sportregion Stuttgart eingeladen. Die Veranstaltung fand diesmal in Schorndorf statt und hatte die Möglichkeiten und Grenzen der Inklusion im Sport zum Thema. Auf youtube hat die Sportregion für Interessierte ein kurzes Video eingestellt.


 

08.11.2014 Sponsorenabend beim TV Weilstetten

Über meinen Unterstützer ProActiv kam der Kontakt zum TV Weilstetten (Balingen) zustande. Dort war ich am Samstagabend als Ehrengast zum Sponsorenempfang eingeladen. Nach einem herzlichen Empfang durch den Vorsitzenden Steffen König (Bild oben) wurde ein kurzer Film von meinem Sieg in Sotschi gezeigt, um den Anwesenden einen Eindruck von meinem Sport zu vermitteln. Anschließend konnte ich bei einem Interview ein paar Anekdoten von den Paralympics zum Besten geben und auch auf die Notwendigkeit von nachhaltigen Sponsoren im Sport hinweisen, ohne die solche Erfolge nicht möglich wären. Vielen Dank an die Verantwortlichen des TV Weilstetten, ich habe mich dort sehr wohl gefühlt. Das lag nicht nur an dem guten Buffet, sondern an den wirklich netten Gesprächen. Nebenbei habe ich noch mitbekommen, welche gute Arbeit in diesem Verein geleistet wird. So besteht die Männermannschaft fast ausschließlich aus Eigengewächsen aus der starken Jugendarbeit, wofür die Weilstettener von anderen Vereinen beneidet werden. Im Anschluss habe ich dann noch das Handballspiel der 1. Mannschaft gegen Bottwartal angeschaut, das mit 28:25 vom TV Weilstetten gewonnen wurde. Beladen mit Blumen und zwei "Fresskörben" habe ich mich nach dem schönen Abend wieder auf den Heimweg gemacht.

 

02.11.2014 Leistungszentrum Stuttgart-Nord

Im Gegensatz zum letzten Herbst habe ich bisher beste Bedingungen auf meinen Trainingsstrecken. Damals waren durch das feuchte Wetter die meisten landwirtschaftlichen Wege für mich unbefahrbar, weil sich meine Skiroller nach wenigen Metern mit dem Lehm aus den Äckern zugesetzt hatten und sich nicht mehr drehten. Bei trockenen Bedingungen sieht die Welt da gleich ganz anders aus. Vier Wochen muss es noch halten, dann geht es mit der Nationalmannschaft in den Schnee nach Finnland. Der erste Weltcup beginnt Mitte Dezember, zuvor werden wir noch Schneetraining auf den Strecken von Vuokatti absolvieren.

Bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres wurde ich von Journalisten unter die letzten drei gewählt. Die endgültige Wahl findet ab dem 12. bis zum 22. November öffentlich statt. Auf den Internetseiten des DBS, der Sportschau, ZDFsport, Kicker und von Sport1 kannn dann abgestimmt werden. Mehr Informationen dazu werde ich noch einstellen. Also, wie heisst es immer so schön: Geht wählen!


 

14.09.2014 Ausflug nach Barcelona

Zur Abwechslung bin ich mal wieder nach Barcelona zum Spiel Barca geben Bilbao ins Camp Nou. Das war eine schöne Unterbrechung des kombinierten Trainingslagers und Urlaubs in Südfrankreich. Dort bin ich rund um Leucate-Plage im Hinterland in den "Bergen" unterwegs. Bei so einer schönen Landschaft macht das Fahren auf den Skirollern noch mehr Spaß. Außerdem gibt es wunderbare Strecken mit wenig Straßenverkehr, die viele Möglichkeiten für verschiedene Trainingsformen bieten. Zur Regeneration geht es danach an den Strand - was will man mehr?
Bis zur Eröffnung der Weltcupsaison in Finnland sind es noch rund 11 Wochen. Es bleibt also noch reichlich Zeit, sich den letzten Schliff zu holen.

Mein Gästebuch habe ich ausgeblendet, weil in den letzten Wochen sehr viele Spam-Einträge vorhanden waren, so dass ich mit Löschen kaum hinterher kam. Als Kontaktadresse habe ich jetzt die Emailanschrift kontakt@anja-wicker.de eingerichtet. Ich bitte sehr darum, mir weiterhin eifrig zu schreiben, auch potentielle Sponsoren oder Anfragen zu Veranstaltungen sind jederzeit willkommen. Sollte ich in den letzten Monaten einige Anfragen nicht beantwortet haben, war das keine Absicht. Mein Feeedback-Formular hat wohl nicht richtig funktioniert, so dass möglicherweise etwas untergegangen ist. Bei Interesse also bitte nochmals melden.

 

21. Stuttgart Lauf vor dem Start

29.06.2014

Heute war mein einziger Start mit dem Handbike in diesem Jahr. Mein Heimrennen, der 21. Stuttgart Lauf, ist für mich der Abschluss des Handbiketrainings. Mit dem 3. Platz bin ich zufrieden. Mein Ziel war es wie in jedem Jahr, über das Frühjahrstraining mit dem Bike Grundlagen für den Ausdauerbereich zu legen. Ab dieser Woche werden wieder die Skiroller und das Biathlongewehr in den Vordergrund rücken.

Am 27.06. war ich mit meinen Eltern beim MTV Stuttgart eingeladen. Bei bestem Wetter wurde auf der Terasse der MTV Gaststätte das erfolgreiche Frühjahr mit Verantwortlichen des Vereins besprochen. Natürlich wurde dabei das leiblichen Wohl nicht vernachlässigt. Bei der anschließenden Jahreshauptversammlung ernannte mich die Präsidentin Ulrike Zeitler zum Ehrenmitglied des MTV. Eine tolle Sache für mich, vielen Dank an den MTV.

 

mit Bürgermeisterin Frau Dr. Eisenmann, Bezirksvorsteherin Susanne Korge und Werner Schüle vom Sportkreis

06.06.2014

Am 06.06. 2014 wurde ein Empfang von "meinem Stadteil" Stuttgart-Stammheim für mich veranstaltet. Mit vielen Gästen aus meinem Umfeld in Stammheim und anderen, die mich in meinem bisherigen Leben auf die eine oder andere Weise begleitet haben, war es ein toller Abend. Vielen Dank an die Sponsoren und Helfer!
Demnächst geht es dann wieder mit sportlichen Meldungen weiter, der Ehrungsmarathon ist langsam zuende. Nächste Woche steht der Stuttgart-Lauf auf meinem Programm, vermutlich mein einziges Rennen mit dem Handbike in diesem Jahr. Das war zwar anders geplant, aber die Umstände haben es so ergeben. Zuvor bin ich am 24.06. zur Pressekonferenz des Stuttgart-Laufs eingeladen und am 27.06. gibt es noch einen kleinen Empfang beim MTV Stuttgart.


 

10.05.2014 Telekom Einladung in die Allianz Arena

Nachdem die Veranstaltungen in Berlin beendet waren, stand gleich am Wochenende das nächste Highlight an. Auf Einladung der Telekom konnten alle Medaillengewinner der Paralympics das Spiel FC Bayern München - VfB Stuttgart besuchen. Für mich als Stuttgart Fan war es schön, dass ausgerechnet der VfB in diesem Spiel Gegner der Bayern war. Und zum Glück war der Abstieg für uns Stuttgarter kein Thema mehr. So konnte ich die Meisterfeier der Bayern und die Niederlage in letzter Sekunde leichter verkraften. Vielen Dank an die Telekom für dieses tolle Event. Das Foto mit der Meisterschale, gemeinsam mit Norman Schlee und Willi Brehm, entstand in der Telekom-Lounge, wo wir auch sehr gut verpflegt wurden. So kann man Fußball genießen!

 

21.04.2014 Vier Wochen seit den Paralympics

Nach den Paralympics ging für mich eine Zeit mit vielen tollen Veranstaltungen, Ehrungen und Medienterminen los.

Über den Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Stuttgart, Empfang beim Ministerpräsidenten Kretschmann im Neuen Schloss, Sportmeistehrung der Stadt Stuttgart, Einladung in die SWR Landesschau und zu SWR 1 Leute, Filmaufnahmen mit Regio TV und Einladungen zu den Fußballspielen des FC Bayern München und meinem Lieblingsclub VfB Stuttgart gingen die letzten Wochen rasend schnell vorbei. Das Studium in Tübingen hat auch wieder begonnen. Am ersten Tag wurde ich im Sportinstitut von einem neuen Aufzug überrascht, und das, nachdem ich zuvor überall erzählt hatte, dass ich dort die Treppen hochgetragen werden muss!

Mittlerweile bin ich auch darin geübt, Fanpost zu beantworten. Es ist schon erstaunlich und natürlich erfreulich, dass mir viele Leute schreiben und Autogrammwünsche äußern. Auch in meinem Umfeld, sei es beim Training oder wenn ich sonst unterwegs bin, gibt es immer wieder Leute, die auf mich zukommen und mir gratulieren.

Im Mai und Juni stehen dann noch weitere spannende Veranstaltungen an, auf die ich mich auch schon sehr freue. Danach wird es dann bestimmt wieder ruhiger, dann kann der Alltag wieder beginnen.

Wer meine Auftritte in den Medien verfolgen möchte, findet in den Mediatheken von ARD, ZDF und dem SWR jetzt reichlich Material.

 

Quelle Staatsministerium Baden-Württemberg

Paralympics Sotschi

Normalerweise brauche ich keine zwei Wochen, um einen Bericht zu schreiben.
Aber nach den Paralympics in Sotschi habe ich erstmal Zeit gebraucht, damit ich alle Ereignisse verarbeiten konnte.
Mit meiner Qualifikation für die Paralympics ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen. Ich bin zu den Spielen gereist mit dem Ziel mein Bestes zu geben und die Zeit zu genießen.
Niemals habe ich damit gerechnet als Paralympicssiegerin und zweifache Medaillengewinnerin zurück zu kommen.
Gleich am ersten Wettkampftag hatte ich im Biathlon Sprint die Chance aufs Podium zu laufen. Aber der letzte Schuss ging leider daneben, sodass ich auf Platz sechs landete. Trotzdem war das eines meiner besten Rennen.
Dieser Wettkampf gab mir die Sicherheit, dass ich gut in Form bin, läuferisch als auch am Schießstand. So blieb der eine geschossene Fehler, der Einzige in meiner gesamten Zeit in den Bergen von Krasnaja Poljana.
Nach einem guten Rennen in der Langlauf Langdistanz, kam der Biathlon über zehn Kilometer.
Die Bedingungen waren alles andere als optimal, die Sicht war auf ca. 10m beschränkt und es regnete in Strömen. Aber all das ist mit dem Start vergessen.
Auf der Strecke lief es raketenmäßig und am Schießstand war ich ruhig und zielsicher. Auf der letzten Runde wusste ich, dass ich gewinne. Ein unbeschreibliches Gefühl.
Alles danach war wie im Film: Flower Ceremony, Presse Termine, Siegerehrung auf der Medal Placa und der Empfang im Deutschen Haus.
Es war super rührend wie sich alle mit mir gefreut haben, vor Ort und zu Hause.
Die ganze Sache wurde nur noch wahnsinniger als ich auch noch Silber im langen Biathlon geholt habe.
Das war mein fast noch besseres Rennen, da ich in der letzten Runde wirklich nochmal alles geben musste, um mir Platz zwei zu erkämpfen.
Mit diesen Ergebnissen war es natürlich leicht die Paralympics richtig zu genießen.
Aber auch so, war die Stimmung in der Mannschaft und drum herum fantastisch.
Die Zuschauer strömten förmlich an die Strecke. Es war schon beeindruckend vor einer Tribüne mit über 4000 Leuten zu starten.
Die Volunteers waren freundlich, offen und immer bester Laune.
Organisatorisch ging alles reibungslos. Trotz teilweise sommerlicher Temperaturen, war die Strecke zu den Wettkämpfen in best möglichem Zustand.
Wir waren teilweise wirklich kurz davor im Bikini an den Start zu gehen, aber Krasnaja Poljana ist wettertechnisch eine Wundertüte. Einen Tag Sommer am anderen Tag wird man eingeschneit.
Und dann war da noch unsere Unterkunft. Ein Hotel mit drei Komplexen à sieben Stockwerken, gebaut in einem Jahr.
Ich hatte ein Zimmer mit Vivian Hösch, oder wie wir es nannten die Königssuite.
50qm Gemütlichkeit pur. Da konnte ich mich nach den Wettkämpfen und dem ganzen Wahnsinn um meine Erfolge erholen und mal für ein paar Minuten den Adrenalinpegel nach unten fahren. Wobei wir besonders Glück hatten, da unser Zimmer wohl mal ein Abstellraum war. Wir hatten jedes Möbelstück mindestens doppelt: zwei Sofas, vier Garderoben, vier Sessel, fünf Nachttischlampen.
Sonst war ich im Speisesaal zu finden, indem ich ein großer Sushi Fan geworden bin. Oder im Fernsehbereich um die anderen Wettkämpfe zu verfolgen. Außerdem gab es eine Gaming Zone ein Kino und Beauty Salon.
Abends waren wir fast immer im Deutschen Haus im Tal zu finden.
Ein wirklich toller Ort um mit den verschiedensten Leuten in Kontakt zu kommen.
Jeden Abend gab es ein besonderes Motto mit geladenen Gästen.
Es herrschte immer eine entspannte Atmosphäre, mit köstlicher deutscher Küche abgerundet.
Echte Highlights waren natürlich auch die Eröffnungs- bzw. Schlussfeier im Fisht Stadium in Sotschi.
Ich habe lange überlegt, ob ich zur Eröffnungsfeier gehen soll, da wir am nächsten Morgen gleich unseren ersten Wettkampf hatten. Bin ich froh, dass ich mich dafür entschieden habe. Das Einlaufen ist ein Gänsehaut-Moment den ich niemals vergessen werde, man wird sofort mit dem olympischen Virus infiziert und er lässt einen die nächsten zehn Tage nicht mehr los.
Allerdings habe ich sonst nicht viel mitbekommen, da wir direkt nach dem Einmarsch wieder zurück ins Nordic Center Laura gefahren sind, damit wir noch so viel Schlaf wie möglich abbekamen.
Dafür haben wir die Abschlussfeier von Anfang bis Ende verfolgt. Eine perfekte Gelegenheit sich die Ereignisse noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen.
Sehr emotional und unvergleichlich.
Zwei Wochen bin ich jetzt wieder Daheim. Es wurde viel gefeiert und ich habe viel Spannendes erleben dürfen. Angefangen mit dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Stuttgart,f über die Einladung in die Landesschau und der Empfang beim Ministerpräsidenten im Neuen Schloss in Stuttgart.
Am 16. April bin ich auch noch bei SWR 1 Leute zu Gast und am 08. Mai geht es nach Berlin zur Verleihung des Silbernen Lorbeerblatts im Schloss Bellevue.

Einfach zusammengefasst sind die Erlebnisse in Sotschi und die daraus folgenden Events mit einem Wort zu beschreiben: Unglaublich!



 

Paralympics in Sotschi - Erste Eindrücke und Wettkämpfe

Die Anreise verlief reibungslos. Dank Direktflug mit Lufthansa konnten wir Sotschi in nicht einmal vier Stunden anfliegen. Der Transport ins Hotel beim Langlaufstadion ging ebenfalls recht zügig und wir haben hier super Bedingungen - außer der Wärme. Die Temperaturen sind wirklich ein Problem für viele, mit Wintersport hat das nur am Rande zu tun. Mit den Schneeverhältnissen geht es einigermaßen, vor allem morgens sind die Loipen in gutem Zustand.

Vor meinem ersten Biathlon am Samstag habe ich mich sehr gut gefühlt. Es lief auch auf der Strecke sehr gut und beim Schießen hatte ich die nötige Konzentration. Nach dem ersten fehlerfreien Schießen lag ich hinter Andrea Eskau auf Platz zwei, mit 1,3 Sekunden Rückstand. Das fing schon mal sehr gut an. Auch auf der Runde zum zweiten Schießen lief es prächtig. Am Schießstand fühlte ich mich wieder sicher und die ersten vier Scheiben fielen auch schön gleichmäßig. Der fünfte Schuss ging leider nicht ins Ziel, so dass ich das "Date" mit einer Medaille wieder absagen musste, denn für die Strafrunde brauche ich etwa 40 Sekunden und auf Gold fehlten mir im Ziel 45 Sekunden. Das war eine Chance, die ich nicht genutzt habe, dementsprechend war ich sehr enttäuscht. Aber eigentlich ist das Quatsch, denn mein sechster Platz mit so wenig Zeitrückstand ist eine tolle Leistung.

Am heutigen Sonntag standen die 12 Kilometer Langlauf erst um 12.30 Uhr an. Ein großes Starterfeld ging bei etwa 10 Grad und sehr weichem Schnee auf die Strecke. Es war ein richtiger Kampf für alle. Ich konnte mich auf den achten Platz schieben, womit ich auch zufrieden bin. Insgesamt ein gutes Wochenende mit einem kleinen Wermutstropfen beim zehnten Schuss.

Jetzt kommt ein Tag Pause mit Biathlontraining, denn ich werde entgegen meiner ursprünglichen Absicht doch am Dienstag beim 10 Kilometer Biathlon an den Start gehen. Mal schauen was geht. Am Mittwoch steht dann der Langlauf-Sprint an. Das wird mit Sicherheit ein Spektakel!